ROBs Gedanken

94. Ausgabe
2./3. Spieltag 2005

Phantom-Schmerz

Ergebnisverwaltung aber ist selten gesund im Fußball. Was wir im Anschluss versuchten, war einfach zu wenig.
(aus dem "ROB" über das Spiel Nürnberg-96 vergangene Saison)

Da sage noch einer, Geschichte wiederhole sich nicht. Tut sie nämlich nicht: die Roten gingen diesmal viel früher beim Club in Führung, dafür ließ sich Marek "das Phantom" Mintal mit seinem Ausgleichstreffer noch etwas mehr Zeit. Gerade so viel, dass der Schiri noch nicht abpfeifen konnte. Wie vergangene Saison ging dem 1:1 auch wieder ein grober Stellungsfehler voraus, diesmal legten wir ihm aber den Ball nicht selbst vor, sondern ließen ihn völlig ungedeckt am Elfmeterpunkt zum Zug kommen.

Alle paar Wochen hier mit den Statistiken über in den letzten Minuten abhanden gekommene Punkte aufzuwarten, ist aber irgendwann nervig, deswegen wird darauf verzichtet. Dass ein Sieg ohne Weiteres möglich gewesen wäre, hat schließlich jeder gesehen, und warum wir nach einer halben Stunde aufgehört haben Fußball zu spielen, hat wieder keiner kapiert. Die Frage konnte am Ende niemand der Beteiligten schlüssig beantworten, auch der Trainer nicht - so, als habe man selbst keinen Einfluss darauf. Nach dem 2:2-Sieg letzte Woche war dies eindeutig eine 1:1-Niederlage - vor der schweren Auswärtshürde in Hamburg hätte ein Dreier sicherlich gut getan. So aber könnten im darauf folgenden Heimspiel gegen Frankfurt schon wieder die Alarmglocken schrillen.

Sei´s drum! Die Selbstinszenierung von FCN-Präsi Roth zu seinem 70. Geburtstag war doch wenigstens ganz großer Sport, so mit selbst bezahltem Reklameflieger, Getränk und Imbiss für jeden Besucher (auch für die Gäste-Fans, Reschpekt!) und Fahnen schwingender Ehrenrunde im offenen Mini...dagegen war unser scheidender Präsident Martin Kind ja direkt ein schüchterner Vertreter. Ihm allerdings war es wiederum vorbehalten, die einzig treffende Analyse zum 96-Auftritt an der Noris abzugeben:

"Die Spiele in Nürnberg sind immer zäh..."

Prima Premiere-Pointe

Wenig Highlights hatte die Partie zu bieten und schon gar kein Happy End. Dafür fing´s ganz gut an, nicht nur wegen des Brdaric-Tores nach acht Minuten. Nein, auch der Premiere-Reporter sorgte unfreiwillig für Heiterkeit im Niedersachsenstadion mit einer missverständlichen Äußerung in der Anfangsphase. Als ein 96-Verteidiger, bedrängt von Club-Stürmer Markus Schroth, einen unsauberen Pass spielte, zeigte der Kommentator Verständnis: "Mit Schroth im Rücken ist es natürlich schwierig..." (Gelächter im Raum)

Dabei ist das gar nicht so schwierig: der Amerikaner Greg Lemond gewann immerhin 1989 die Tour de France mit ihm im Rücken. Denn bei einem Jagdunfall zwei Jahre zuvor hatte der Schwager Lemond 60 Kugeln verpasst, von denen nur zwanzig entfernt werden konnten - blieben also 40 Kugeln, Schrot, halt - also ROB fand diese Pointe komisch, aber er hat den Witz natürlich auch gemacht.

Der Ärger hielt sich allerdings in Grenzen: einen Punkt hätten wir mit solch einer Leistung nur gegen ganz wenige Bundesligisten geholt

Friday Night Fever

Irgendwie gibt es kaum Fußballfans, die sie nicht gut finden, die Spiele am Freitagabend. Mittlerweile gibt es sie ja in der Bundesliga nicht mehr, dafür wurden dann ja die umstrittenen Sonntagsspiele eingeführt. Und die Partien der Englischen Wochen am Dienstag oder Mittwoch haben nur zum Teil dieses Flair - klar, es fehlt ihnen der Wochenendfaktor. Und das Beste am Freitagabendspiel ist oder war, dass man das komplette Wochenende noch vor sich hatte, was natürlich im Falle einer Niederlage ganz schön verhagelt sein konnte, aber, ach, eigentlich war der Ärger spätestens Samstag wieder verraucht bzw. versoffen.

Das Schicksal unseres Aufstiegs wollte es also, dass wir seither kein Pflichtspiel mehr am Freitagabend austragen sollten. Die letzte Partie dieser Art mit Beteiligung der Roten fand am 5. April 2001 beim 1.FC Saarbrücken statt und endete 1:1 (Tor für 96: Baba N´Diaye!) - wahrscheinlich nur deshalb, weil wir nach den Aufstiegsfeierlichkeiten gegen Schweinfurt eine Woche zuvor noch Restalkohol hatten.

Uhrwerk 96

Bei allen im positiven Sinne unvergesslichen Stunden, die der DFB-Pokal den 96-Fans beschert hat, gab es doch auch zahlreiche Wettbewerbe, in denen die Roten sang- und klanglos in der ersten Runde die Segel strichen. Anhänger aus der Vor-Pokalsieg-Ära und auch vor der Zeit der Pokal-Dramen der Achtziger verspüren deshalb immer auch etwas Flauheit in der Magengegend, wenn´s wieder mal mit dem Cup losgeht. Der Verfasser etwa erlebte seinen ersten Wettbewerb 1975/76, als die Roten gegen einen dahergelaufenen Verein aus der Zweiten Liga Süd, den FC 08 Homburg/Saar, als Bundesligist zuhause mit 1:2 ausschieden.

Seit 1990 aber haben sich die 96er mit dem DFB-Pokal angefreundet - den Triumph von ´92 ausnahmsweise mal außer Acht gelassen. Denn seit dem flogen wir nur zweimal in der ersten Runde raus, 1995 bei Rot-Weiß Essen, 1998 bei Tennis Borussia Berlin. Seither hatten der VfB (aus Lübeck 0:1), der VfL (aus Osnabrück, 0:1, bzw. Kirchheim u.T., 0:3) und der VfR (aus Mannheim, 1:3, Aalen, 2:3 n.V., bzw. Neumünster, 0:3) das Nachsehen. Die letzten vier Jahre wurde dabei immer dreimal getroffen, was auch am Freitag reichen sollte.

Der Genauigkeit halber sei hier noch erwähnt, dass 96 das besagte, traumatische Pokal-Aus gegen Homburg erst in der 2. Hauptrunde des Wettbewerbs ereilte. Irgendeiner der geneigten Leser hätte sich sonst ja doch über die Ungenauigkeit beschwert. Ganz klar, denn in der ersten Runde gelang ein unvergessener 7:1-Triumph - bei Gummi-Mayer Landau...

Nicht nur in Köln: Amateure heißen jetzt II

Am kommenden Wochenende ist es also für die Roten endlich wieder mal so weit: ein Pflichtspiel am besagten Freitagabend. Und das auch noch auf dem Gelände des Rekord-Zweitligisten Fortuna Köln, der sich inzwischen aufgelöst und ganz unten wieder angefangen hat. Das Los bescherte 96 im DFB-Pokal aber nicht den SC, sondern die Reserve des 1.FC Köln, die ihre Spiele ebenfalls im Südstadion austrägt. Bis dato sprach man immer von den "1.FC Köln Amateuren", seit kurzer Zeit werden sie aber "1.FC Köln II" genannt wie alle Bundesliga-Reserveteams jetzt diesen Zusatz tragen statt "Amateure".

Wie die meisten Reserven versteht sich auch Köln II als Ausbildungsstätte für junge Spieler, die in den Profibereich, möglichst den eigenen, aufrücken sollen. Den meisten gelingt der Sprung in die Bundesliga nicht, dennoch verlassen Jahr für Jahr die Besten diese Teams. Bei Köln II waren es vor dieser Spielzeit zumindest drei Spieler: Torjäger Federico, der beim Karlsruher SC immerhin Jiri Kaufman den zweiten Platz im Sturm neben Sean Dundee weggeschnappt hat, sowie Niedrig (zu Kiel) und Bröker (zu Dresden). Alle hatten bereits Einsätze für die A-Mannschaft absolviert. Immerhin: mit Junioren-Nationalspieler Epstein scheint wieder ein Talent nachzuwachsen, auch wenn der Titel "der neue Podolski" in diesem Zusammenhang zu schnell vergeben wird.

Der mit Abstand älteste Spieler im aktuellen Kader ist Jürgen Heinrichs (Jahrgang 77), alle anderen Akteure wurden zwischen 1982 und 1986 geboren. Das im Kicker-Sonderheft verzeichnete Geburtsjahr von Abwehrspieler Stefan Schwellenbach verstehen wir mal als Druckfehler - 17.03.2005, das wäre selbst für die Pampers-Liga noch zu früh, und überhaupt soll der Verteidiger bis diesen Sommer noch für den VfL Hamm aktiv gewesen sein.

Ein echtes Kuriosum stellt allerdings Daniel Chitsulo dar: der 22jährige Stürmer ist der erste Fußballer aus dem afrikanischen Staat Malawi, der dem Verfasser in seiner Karriere untergekommen ist. Er kam als knapp Volljähriger vom Hauptstadtverein CIVO United Lilongwe an den Rhein, der richtige Durchbruch gelang bisher aber noch nicht.

Gerade erst gelang "Köln Zwo" der erste Sieg im vierten Saisonspiel - ausgerechnet im "Derby" vor 4.200 Zuschauern gegen Fortuna Düsseldorf. Normalerweise kommen zu den Punktspielen nur einige Hundert Zuschauer - also noch weniger als zu Zeiten von Jean Lörings Fortuna Köln. Die Debatte über Sinn und Unsinn von so genannten Amateurmannschaften in der Regionalliga und auch im DFB-Pokal wird immer wieder geführt - deutlich weniger Zuschauer verfolgen die Spiele dieser Teams, dagegen stehen die knallharten Interessen der großen "Muttervereine".

Immerhin bleibt uns bei der Berichterstattung am Freitag dann zumindest wohl erspart, wie Rolf Töpperwien erzählt, dass der Ausputzer der Amateurelf noch bis mittags in der Autowerkstatt geschraubt hat. In den so genannten "Amateurmannschaften" leben nämlich garantiert alle vom Kicken - und das schon lange. Wahrscheinlich hat der Dino DFB deswegen mal reagiert und das weit unverfänglichere Anhängsel "II" eingeführt.

Hannover 96 spielte übrigens erst zweimal im DFB-Pokal gegen solche Reserveteams - 92/93 gab´s das bittere Aus als Titelverteidiger bei den "Hertha-Bubis" (3:4 im Achtelfinale), 01/02 in der 2. Runde wurden die WOB-Amas 4:0 abgefiedelt.

Weltjugendtag? Bundesjugendspiele!

Wer den Trip am Freitag auf sich nimmt, sollte wohl viel Zeit mitbringen, schließlich dürfte in Köln und Umgebung gerade, pardon, die Hölle los sein. Eine halbe Million Besucher, da ist dem riesigen Polizeiaufgebot so eine Horde Fußballfans bestimmt schnell ein Dorn im Auge. Immerhin: binnen vier Wochen kommen 96-Fans auf Auswärtsfahrt gewissermaßen zwangsläufig in den "Genuss" zweier Großereignisse: erst der Weltjugendtag in Köln, dann das Oktoberfest zum Fassanstich in München.

Der Ratzinger sollte am Freitag jedenfalls seinen Segen nicht nur der Kölner Jugend erteilen, schließlich haben wir eine lange Verletztenliste und deshalb auch mit einigem Gemüse aufzuwarten: Dietwald, Schulz, Hahne, Großöhmichen, Montabell, und unsere Alten - Merte, Yankov, Balitsch, Vinicius - sind auch noch ganz schön jung. Okay, Tarnat darf nicht zum Abendmahl und wir packen noch ein Trikot obendrauf, dann erspart uns der Benedikt bestimmt ein peinliches Aus. Das mit der Beflockung - von wegen Benedikt und Rückennummer 16 und so - wird aber nix, da versteht Hashemian bestimmt keinen Spaß...und wir eigentlich auch nicht.

Rote Grüße

ROB,

P.S.: Alle Berlin-Besucher schauen bitte noch mal auf die aktuellen Veranstaltungshinweise auf der Homepage...

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