Wir sind schließlich Hannover 96...
(Der Ex-96er Jürgen Prange)
Mitleid hebt man sich für andere auf. Wie da ein Großteil der Besucher des Berliner Olympiastadions nach dem Abpfiff der Partie mit Pfiffen seine Meinung kundtat, obwohl Hertha BSC nach einer durchaus nicht schlecht verlaufenen Saison den UEFA-Pokal erreicht hat - am sechsten Spieltag standen die Berliner noch auf einem Abstiegsplatz, am Ende zählte aber für viele nur noch die Qualifikation zur Champions League - nein, das machte einem die ganze Sache nicht sympathischer. So, wie sich das Olympiastadion wenig weltmeisterschaftsfinaltauglich bezüglich der Infrastruktur zeigte, so wenig präsentierte Hertha an diesem Nachmittag, was die "alte Dame" für die viel zitierte "Königsklasse" empfohlen hätte. Und da Marcelinho nicht jede Woche einen Traum-Tag erwischt und Hannover 96 ja auch noch da war, wurde es nichts mit der großen Sause der Blau-Weißen.
Wer jedenfalls nur ein Fünkchen für Schadenfreude übrig hat, kam an diesem Nachmittag auf seine Kosten. Schon die große Inszenierung zu Beginn der Partie verdeutlichte auf schönste Weise, dass die Gastgeber glaubten, das große Ziel zu erreichen - der Sieg gegen die Roten schien beinahe fest eingeplant. Und auch beim "Nachspiel" bestätigte sich, dass Häme gegen Hertha nicht unangebracht ist. Immer wieder wurde am Rande der miserable Zustand des Platzes erwähnt (das Deutsche Turnfest hatte für den ruinösen Untergrund gesorgt). Auch am Tag danach tat es "immer noch weh" (D. Hoeneß), sollte das Verfehlen der Champions League verdrängt werden (A. Friedrich), die Feier sei "der Situation angemessen" (D. Hoeneß) ausgefallen und Trainer Götz musste "sich zur Freude zwingen". Gut möglich natürlich, dass man in einer verwöhnten Stadt derartiges nach außen sagen muss. Robert Kovac jedoch maulte vor allem über uns: "Was Hannover gespielt hat, war eine Frechheit. Die wollten gar nicht gewinnen. Wenn das alles ist, ist es kein Wunder, dass die Bundesliga international so schlecht da steht", wetterte der Kroate nach dem Spiel.
Wobei der letzte Teil ja eigentlich auf die Bemühungen der Berliner zu beziehen ist, den Sieg gegen die 96er zu erringen. Schließlich hatte zumindest Konkurrent Stuttgart für die Berliner gespielt, die aber bissen sich an uns die Zähne aus. Es lag nur an der Elf von Falko Götz und es war total offensichtlich, dass die Hausherren mit dem Druck nicht klar kamen. Einfallslos wurde immer wieder durch die Mitte gespielt, was uns natürlich entgegen kam und wir so natürlich selten in Verlegenheit gerieten. Insofern hat Hertha auch nichts in der Champions League verloren - gut, Schalke und Bremen vielleicht auch nicht, aber die haben uns in der Rückrunde immerhin besiegt. Dass es Teams gibt, die in Berlin mit einem Punkt zufrieden sind, sollte sich doch herum gesprochen haben.
Die Roten haben an diesem Nachmittag zwar nicht brilliert, aber das ihre getan, um Wettbewerbsverzerrung zu vermeiden. Niemand konnte sie zwingen, bei einer angeblichen Spitzenmannschaft ins offene Messer zu rennen. Wenn der Gegner dann nicht die Mittel findet, ist es ja nicht das Problem von Hannover 96 in der gegebenen Situation. So gesehen können uns die Herthaner noch dankbar sein, dass wir sie vor der Blamage in der tollen Champions League bewahrt haben. Aber selbst die sonst so seriöse "Berliner Zeitung" moserte in ihrem Kommentar, wie "peinlich" die anschließende Feier mit blau-weißem Konfettiregen angesichts des Verpassens der Champions-League-Quali doch gewesen sei. Was da nicht stand: oberpeinlich ist das überzogene Anspruchsdenken im Umfeld des Vereins, dem die Mannschaft offensichtlich nur bedingt gewachsen ist.
Ein Zustand, der in naher, erfolgreicher Zukunft auch in Hannover eintreten könnte. Samstag war der Auftritt zwar nicht glanzvoll, aber sportlich tadellos. Deshalb hätten wir ein Wiedersehen mit Hertha verdient - nicht wegen der Berliner, sondern wegen unserer Teilnahme am UEFA-Cup. Jetzt weiß man jedenfalls spätestens bei Hoeneß & Co, dass man gegen die Roten nicht automatisch mit einem Sieg zu rechnen hat. Denn wie vollendete der zitierte Prange Anfang der 90er vor einer Partie in Meppen: "Wir sind schließlich Hannover 96 und nicht irgendein Kackverein!" Das Spiel im Emsland allerdings ging anschließend verloren...
Guckt Frauen-EM! Alle! Alle 96-Fans! Alle Spiele! Wenn ihr nicht so recht informiert seid, jedenfalls. Was ROB ja nun wieder ist, deshalb muss er nur eine Partie gucken, nämlich den Knaller zwischen der finnischen Frauenelf und Gastgeberin England. Und da eigentlich auch nur die Halbzeitpause, im Stadion "City of Manchester", am 5. Juni 2005, etwa gegen 19.50 Uhr. Jetzt muss man nur noch wissen, welcher Sender diese Partie überträgt - vielleicht ja der "kleine Pub in unserer Straße"? Wie dem auch sei, Ihr solltet nichts unversucht lassen, diese Halbzeitpause zu sehen zu bekommen. Es wird auf jeden Fall sehr spannend zugehen, das kann man jetzt schon garantieren, denn es werden "zwei Wildcards unter den Vertretern der Länder verlost, die in der Fairplay-Rangliste der UEFA oben stehen". Dank an die NP für die kleine, aber brisante Randnotiz vom 24. Mai.
Hinweise zu einer eventuellen Live-Übertragung im Fernsehen werden mit einer Belohnung in Höhe von, sagen wir, 19,99 Euro vergütet. Nee, nee, mehr jibtet nich, so viel kostet ja schon der Flug mit HLX von Tejel nach Mennnschester, da kann olle ROB ja schon selllllba hinflieeejen...
Hannover 96 is in fact one of the protagonists of German football.
(www.diadora.com)
Das meint nicht, eine von elf Mannschaften zu sein, die von den Italienern ausgerüstet wird - genannt werden nämlich lediglich fünf: AS Rom, Palmeiras Sao Paulo, Racing Santander, Maccabi Tel Aviv und die schottische Nationalmannschaft. Es handelt sich dabei vielmehr um den Namen der neuen Kollektion, eben etwas hochtrabend, wie es sich für heutige Zeiten gehört. Was sich allerdings einem Artikel der NP zu Folge hinter "One of Eleven" verbirgt, klingt viel weniger hochtrabend, als total durchgeknallt.
Nach der Lektüre des Artikels von Frank Winternheimer von vorletzter Woche jedenfalls meint man, Diadora habe vor dem Engagement bei 96 die NASA ausgerüstet. Doch der Reihe nach: bakteriostatisch sei der Stoff, aus dem die neuen Leibchen geschneidert würden, was der Mann von der NP kurz und knapp als "unstinkbar" übersetzt, aber mit dem wissenschaftlich klingenden Verweis, dass dieser Effekt durch eine "Behandlung mit Silberionen" erzielt wird. Schön und gut, wenn unsere the "Die Roten" (tschuldigung, das macht einfach zu viel Spaß) auch in der Schlussphase noch wohl riechend über den Platz flitzen - aber aus seiner eigenen aktiven Zeit weiß ROB noch genau, dass Gegenspieler, die nach "nasser Büffel" rochen, seine Lust auf Kontakt und somit sein Zweikampfverhalten dramatisch beeinflussten. Auf psychologische Kriegführung durch Einsatz von Körpergeruch brauchen wir in Zukunft also nicht mehr zu setzen - während uns unsere Gegner fröhlich zustinken. Wenn das mal gut geht!
Des Weiteren bekommt man in den neuen Shirts keinen Sonnenbrand - leider wird das passende Fremdwort, das Diadora dafür bestimmt parat hat, nicht mitgeliefert. Es könnte wohl - oh ja, das klingt gut - helio- oder photoresistent heißen, "UV-Schutz" kennt schließlich schon jeder Mallorca-Tourist. "Thermosensibel" kann man das wiederum nicht nennen, denn derart verhalten sich schon die "elf Punkte auf der Schulter", die erst sichtbar werden, wenn ein Spieler auf Betriebstemperatur ist - die Idee zu diesem Accessoire könnte von unserem Trainer stammen, der ja selbst als Spieler ein Kilometerfresser war. Andererseits müsste er die Seinen so gut kennen, dass er weiß, wer zu den Dauerläufern gehört und wer nicht - dass man bei Krupi etwa am Ende der Partie gespannt auf das Erscheinen des zweiten Punktes warten würde. Aber der ist ja nächste Saison sowieso weg - vielleicht ja auch aus thermosensiblen Gründen.
Auch bei der Unterwäsche wird nichts dem Zufall überlassen. "Für jeden Mannschaftsteil in einer anderen Farbe, ausgewählt nach wissenschaftlichen Erkenntnissen", mehr sei allerdings noch nicht bekannt. Hm - also Spezialisten der Farbenlehre wurde auch noch zu Rate gezogen, ja? Mannmann, was so ein Hemd da kosten muss.
Andererseits hat Diadora ja vielleicht alles vor allem auf den Fan zugeschnitten: Freund/Freundin freut sich, weil im 96-Trikot müffelt er/sie nicht mehr so, dadurch darf man/frau es öfter tragen. Im Urlaub spart es Sonnencreme und der Begleiter/die Begleiterin kann schon mal lebensrettende Maßnahmen in die Wege leiten, wenn nach dem achtstündigen Sonnenbad der elfte Punkt auf der Schulter von ihm/ihr erscheint - oder sich die Hände reiben, je nach aktuellem Zustand der Beziehung.
Auch duften die Trikots, die dem Fan nolens volens nach einem Spiel von den Roten um die Ohren gepfeffert werden, ab kommender Spielzeit dann ja aprilfrisch. Doch sollte sich der Anhänger nicht zu früh freuen: schließlich erschwert der neue 96-Ausstatter durch den körperbetonten Schnitt den Ausstieg aus den Hemden. Korpulentere Spieler könnten sich beim Versuch, sich ihrer zu entledigen, also etwa die Schulter auskugeln.
Doch auch da habe Diandreadoria noch lange nicht fertig: "ein Reißverschluss vom Hals bis zum Trikotbund machts möglich"! Als eigentlicher Grund für dieses aufreizende Detail wird allerdings straffreier Torjubel genannt - man zieht das Trikot eben nicht aus, sondern öffnet es nur noch. Mal ganz davon abgesehen, dass man dieser ganzen Inszeniererei beim Fußball nicht noch Vorschub leisten sollte - ein Torjubel von Stajner vor der Fankurve, bei dem er zur Melodie von "You can leave your hat on..." den Reißverschluss über seinem Astralkörper aufreizend langsam - nun, wer möchte das nicht einmal erleben?
Da kann man dann nur noch hoffen, dass den Italienern die Farbgebung der eigentlichen Garnitur vernünftig gerät, sonst könnte der Auftritt unserer Helden in der Republik in Zukunft - der Vertrag läuft über drei Jahre - größte Heiterkeit auslösen. Wenn sich hinter Schuhnamen wie "Brasil Pro" oder "Baggio 10 R" raumfahrtstiefelähnliche Boker verbergen sollten, wen würde es nach diesen Zeilen noch wundern? Aber bitte: wer 650.000 Euro jährlich bezahlt, darf sich natürlich designmäßig auch ein bisschen austoben. Die letzten News von der Trikotfront haben die Sorgenfalten bei einigen Fans von the "Die Roten" (wurde mal wieder Zeit) aber trotzdem deutlich vertieft.
Immerhin müssen wir uns über Schweißausbrüche angesichts der Darbietung unserer roten Lieblinge demnächst keine Gedanken mehr machen. Und Mille hat in Zukunft auch früher Feierabend: die Trikots kann er nach dem Spiel ja gleich wieder in den Schrank packen...
And in the end, the love you take
Is equal to the love you give.
(The Beatles, "The End")
Na, in punkto 96 lagen die "Fab Four" da aber so was von daneben - aber immerhin: zum Abschluss dieser Saison kann man festhalten, dass zwischenzeitlich fast so etwas wie dieser besungene Idealzustand erreicht wurde. Aber wenn die Saison vorbei ist, dann hält diese komische Abschiedsstimmung Einzug, in der vieles - vor allem das Schlechte - schnell in Vergessenheit gerät. Und das ist auch gut so. Wem nützt es jetzt noch, die Anzahl der Spiele ohne 96-Torerfolg (es waren fünfzehn!!! Fünfzehn!!!! So eine verd...) aufzuzählen. Es ist vorbei. Erledigt. Geschafft. Die Milde des Abstands stiehlt sich behutsam in die Erinnerung und - vermindert Deine Chancen beim großen "96-Fachidiotentest 2004/05"! Zehn Wochen ist die Sommerpause lang - Zeit genug, um 96 Fragen zur Spielzeit 2004/2005 zu beantworten. Ein Teil der Fragen wurde bereits anlässlich der Abschlussfeierlichkeiten im "Niedersachsenstadion" am Mann und an der Frau getestet. Die Reaktion war überwältigend: ein Teil der Fragen wurde als lachhaft leicht, der andere als megaschwer empfunden. Aus dem Auditorium kamen Reaktionen wie "Hallo!", "Bravo!", "Rindvieh!" oder "Mann, ich mach´ auch noch was anderes außer Fußball gucken!"
Jede Woche Fragen zu den Roten in der abgelaufenen Saison - heute allerdings noch keine, da der genaue technische Ablauf noch zu klären ist. Aber in den nächsten Tagen startet er, der große "96-Fachidiotentest 2004/05". Allen notorischen Besserwissern sei deshalb empfohlen: stay tuned!
Rote Grüße
ROBP.S.: Na gut - kleine Kostprobe: "Für welches Vergehen sah Freiburgs Coulibaly beim 4:1 über 96 die zweite Gelbe Karte und musste deshalb vorzeitig vom Platz?" Das war gar nicht diese Saison? Euch kann man aber auch gar nichts vormachen...