Wir haben das Spiel so geplant, wie es bis zur Schlussminute abgelaufen ist.
(Ewald Lienen)
Dieses Mal nun spielte der Übeltäter gar nicht mit, sondern wurde erst drei Minuten vor Schluss eingewechselt. Dieses Mal war es nicht einmal die Nachspielzeit, sondern exakt die letzte Minute, und das Tor kostete uns genau genommen nur einen Punkt anstatt derer zwei in der vergangenen Saison. Und doch war es mindestens genau so bitter: die ungewollte "Vorarbeit" von Mertesacker, der aber in diesen Zweikampf gehen musste, von wo der Ball nach dem Murphyschen Gesetz dem Anglokanadier vor die Füße rollte und dieser direkt, wieder stramm, wieder mit rechts, aber diesmal obendrein noch präzise die Kugel unhaltbar versenkte. Damals wie letzten Samstag wurde den Münchnern ja ein Tor aberkannt, wobei 2003 eine klare Fehlentscheidung des Schiris vorlag und man das späte Ausgleichstor angesichts der im zweiten Durchgang drückenden Überlegenheit der Bayern mit einiger Haltung wegzustecken vermochte.
Das nicht gegebene Tor vom vergangenen Wochenende war hingegen bei weitem nicht so eindeutig regulär, wie es "das Fernsehen" glauben machen wollte - es ließ sich anhand der Bilder einfach nicht genau beweisen. Egal. Die Gäste waren jedenfalls auch in keiner Phase des Spiels derart überlegen. Ein Erfolg des zugegebenermaßen defensiven, aber gelungenen Konzepts. Wer sich von den Bayern, wie z. B. "Schweini" Schweinsteiger, über diese Taktik mokierte, muss realitätsfremd sein. Natürlich haben wir am Ende verloren und 2003 mit dem Rangnickschen Harakiri-"System" ein rauschendes 3:3 erlebt und einen Punkt mitgenommen - aber hätten wir nur eine unserer Torchancen in der ersten Hälfte mit dem Selbstbewusstsein genutzt, mit dem wir in der zweiten den Bayern-Motor nicht in Gang kommen ließen, wären wir als Sieger vom Platz gegangen.
So war es ein klares 0:0-Spiel, aber wenn es dem Fußballgott oder wem sonst auch immer gefällt, solch einer Partie eine vom Zufall geprägte Wendung zu geben, dann entscheidet er sich meist zugunsten des FC Bayern. Und dann offenbart er sich wieder, der schon sprichwörtliche "Bayern-Dusel", wie Trainer Felix Magath selbst nach dem Spiel verschmitzt zugab. Unser Ewald Lienen hat natürlich Recht, wenn er das darauf bezieht, dass Magath noch nicht so lange beim FCB ist und somit solche Wendungen noch als glücklich versteht, während ein alt eingesessener wie Uli Hoeneß solche Vorfälle als Frucht harter Arbeit versteht und mit ihnen als Konstante plant.
Aber keine Frage: es war Bayern-Dusel und kein 96-Pech. Die Roten haben ein ordentliches Spiel abgeliefert, aber leider kein Tor vorgelegt (was Lienen wohl durchaus auch eingeplant hatte). Was dann in der 90. Minute passierte, kann man dann nur noch mit Achselzucken quittieren, da steckt man einfach nicht drin. Oder wie singt der Hannoveraner so gerne: "...dann kommt Hargreaves auch zu Dir!"
Wenn ich komme, verliert 96 gegen die Bayern nicht.
(Utz Claassen, Ex-96-Präsident)
Fern der Heimat die NP lesen zu können, dazu noch als Geschenk-Abo, ist schon nicht schlecht. Schließlich ist die Neue Presse in Sachen 96 informationsmäßig schwer zu toppen. Auf manchen Bericht, was die Schönen, Mächtigen und Reichen so rund um ein 96-Spiel treiben, könnte man nach ROBs Geschmack allerdings gerne verzichten - und die Fotos dazu! So etwa letzten Montag: ("würg!") dieses Bild mit CDU-Politiker Friedbert "Wasserkopf" Pflüger und Utz "Schweinebacke" Claassen, ein echter Appetitzügler. Der "Top-Unternehmer" (NP), dessen optimistische Prognose sich angeblich schon aus dem Besuch der Spiele in den 70er Jahren nährte (da war er wohl nicht bei jedem Spiel 96-Bayern), musste allerdings in der Schlussminute feststellen, dass jede Serie mal ein Ende hat.
Insofern war das 0:1 immerhin zu etwas gut. Doch Utz "der Allmächtige" Claassen hatte noch nicht zu Ende posaunt: "Das muss jetzt der HSV ausbaden", ließ der Mann mit dem stets weißen Kragen nach Schlusspfiff verlautbaren und bewies einmal mehr unternehmerischen Weitblick - schließlich spielen die Roten jetzt in Mainz, dann zuhause gegen Nürnberg, dann in Stuttgart und dann erst gegen die Hamburger. Doch ein richtiges 96-Spiel findet eben erst dann statt, wenn der Schnauzbartträger aus Überzeugung in der Loge sitzt - und das, weiß die NP, wird am 14. Mai wieder der Fall sein.
Möglicherweise wird dem Spuk - dass Utz "der Konsolidierer" Claassen, mit dem wir beinahe in der Oberliga gelandet wären, sich jetzt bei uns in der Loge Budesliga angucken und große Reden schwingen darf, anstatt als Chef vom Hauptsponsor des Karlsruher SC im Zweitliga-Abstiegskampf präsent zu sein (dort hat er sich ja nur um den sofortigen Rausschmiss des ohne sein Wissen verpflichteten "Intimus" Reinhold Fanz gekümmert) oder sonstwo das Wochenende zu verbringen, ist ja wohl ein Treppenwitz - möglicherweise also wird dem Spuk von höherer Instanz ein Ende gesetzt. Immerhin melden die Zeitungen vom Freitag: "EnBW-Chef Claassen im Visier der Justiz - Ermittlung wegen Verdachts der Bilanzfälschung" (Berliner Zeitung).
Vielleicht klappt´s ja, ansonsten muss wohl wieder erst der Kampfmittelbeseitigungsdienst anrücken oder ein Vorkoster eingestellt werden, nachdem ROB seinen "Hummer an einer Vinaigrette von Balsamico-Essig und Rhicinusöl" in den VIP-Bereich geschleust hat. Und jetzt alle: "...nehmt Tannacomp, nehmt Tannacomp!"
("...und am Abend soll man uns durch Schwabinger Kneipen ziehen gesehen haben, wo wir angeblich mit dem Hinweis, wir seien "Grillemeyer" (sic!), aufdringlichen Zeitgenossen wiederholt Prügel angeboten haben."
(Reinhard Hesse, - r.i.p. - Exil-96er, aus: "...bis in die Kreisklasse)
Ja, und so wurde Hannover 96 irgendwie zum Meistermacher der Saison 2004/05 - denn wer glaubt noch, dass irgendjemand die Bayern abfangen kann. Allein die Art und Weise, wie dieses Polster von sechs (auf Schalke) und acht Punkten (auf Stuttgart) zu Stande kam: nach einer Stunde war es noch ein Punkt (auf Schalke) und fünf Zähler (auf Stuttgart) schmal. Dann ließen sich die Stuttgarter das 1:2 einschenken, Schalke davor noch das 1:1 und kurz vor Schluss gar ebenfalls das 1:2 - alles lief sowieso für die Bazis, sie hätten bei 0:0 in Hannover auf beide Verfolger einen Punkt Abstand gewonnen. Aber nein: Hargreaves trifft in der letzten Minute und die Unsympathischen dürfen mit ihrem Anhang und den zahlreichen Erfolgsfans samt ihrer hals- und rückgratlosen Nachkommenschaft in unserem Stadion schon mal den Titelgewinn feiern. Das ist nicht schön.
Darum ein kurzer Rückblick in bessere Zeiten: auf den Tag genau 17 Jahre zuvor, am 16. April 1988, dem 28. Spieltag der Saison 1987/88, empfingen die Roten - zu dem Zeitpunkt Zehnter mit Abstiegssorgen - den Tabellenzweiten Bayern München, der vier Punkte hinter Werder Bremen liegend, auf gar keinen Fall einen Punkt abgeben durfte (damals gab es nur zwei Punkte für einen Sieg). So gingen die Münchner nicht überraschend nach sechs Minuten durch Hansi Pflügler in Führung, aber in Bremen machte auch der SV Werder schnell alles klar gegen den FC Homburg (am Ende 3:0). Sollte die Meisterschaft also weiter spannend bleiben? Nicht mit uns...
Vor über 60.000 Zuschauern bei sommerlicher Hitze steigerten sich die 96er immer mehr und kamen nach einer knappen Stunde zum Ausgleich durch Peter Hobday. Eine Viertelstunde vor Schluss dann schnappte sich der kleine Gregor Grillemeier im Mittelfeld das Leder, schnürte auf das gegnerische Tor zu, sah wie die 60.000 die Lücke in der Bayern-Abwehr und zog aus gut zwanzig Metern ab - Jean Marie Pfaff im Gehäuse der Bayern (mit u. a. Augenthaler, Dorfner, Matthäus) hatte keine Abwehrchance und der Schuss landete vehement im vom Schützen gesehen rechten oberen Eck des Tores. Grenzenloser Jubel im Stadion, ebenso am Ende der Partie, denn sechs Punkte Vorsprung auf Platz 17 bedeuteten so gut wie sicher den Klassenerhalt. Und ein Sieg über die Großkopfeten ist und bleibt für einen Verein wie 96 immer etwas Besonderes.
Dann beobachtete der Verfasser beim Verlassen des Tempels mit Verwirrung erwachsene Männer in Bayern-Kutten, die Rotz und Wasser heulten. Da wurde ihm erst klar, dass wir natürlich auch dem FCB praktisch die Meisterschaft versaut hatten. Trotzdem - die hatten doch gerade erst drei Titel in Folge geholt. Mann, hatten die Probleme! Eine gewisse Verachtung machte sich breit. Mit erneuter Verwirrung musste später während der Fernseh-Konferenzschaltung zur Kenntnis genommen werden, dass im Weserstadion schon nach unserem Ausgleich wiederholt "96"-Sprechchöre angestimmt wurden - herrje, für den SVW hatten wir das ja nun auch nicht gerade getan, sondern nur für uns und gegen den Abstieg. Aber die Großen lagen uns zu Füßen, so oder so - so ein bisschen wie bei Wahlen in Schleswig-Holstein, wenn der Südschleswigsche Wählerverband plötzlich beim Kopf-an-Kopf-Rennen der Großen zum Zünglein an der Waage wird.
Wir aber schüttelten nur den Kopf über heulende Bayern oder dankbare Bremer und gingen unseres eigenen Weges - in die nächste Bundesligasaison bzw. Lindener Kneipe.
Unser Hannover 96 etwa deckt ja einige Facetten dieses Phänomens ab. So auch an diesem Spieltag, wo wir in der letzten Minute den Spiel entscheidenden Treffer kassierten. Das war - zugegeben - früher öfter mal der Fall, aber wir können von Zeit zu Zeit immer wieder Maßstäbe setzen. National brauchten wir uns jedenfalls am 29. Spieltag nicht vor Borussia Mönchengladbach zu verstecken, die zwar den Ausgleich in der Nachspielzeit hinnehmen mussten und damit gleich zwei wichtige Punkte einbüßten, dafür aber war das 1:1 der Mainzer auch hoch verdient. Und unser 0:1 nicht.
Schaut man aber einmal über die Grenzen Deutschlands hinaus, so wird deutlich, dass die Bundesliga im internationalen Vergleich auch in der UEFA Bad Luck Champions League höchstens zweitklassig ist. Über normale Tore in der 90. oder 92. Minute etwa kann man in Italien oder Spanien nur müde lächeln. Nehmen wir mal die Serie A: dort unterlag US Palermo bei Sampdoria Genua am vergangenen Wochenende durch einen umstrittenen Handelfmeter in der letzten Minute der regulären Spielzeit - immerhin handelte es sich um ein direktes Duell um einen Champions League Qualifikationsplatz.
Im Abstiegskampf gewann Schlusslicht Brescia gegen den Vorletzten Bergamo durch einen Foulelfmeter in der 94. Minute: dabei hatte Di Biagio im ersten Anlauf in der 90. Minute verschossen, der Schiri aber den Elfer wiederholen lassen, weil angeblich Bergamos Rivalta zu früh in den 16er gelaufen war. Der war obendrein schon verwarnt und wurde mit Gelb-Rot in die Kabine geschickt, wodurch es etwas dauerte, bis der Strafstoß erneut ausgeführt werden konnte...
Rein sportlich gesehen setzte am letzten Wochenende aber ein Vertreter der Primera División Maßstäbe: durch einen Foulelfmeter in der 98. Minute (es handelte sich um ein Punkt- und kein Pokalspiel) geriet das Team von Rácing Santander im kantabrisch-baskischen Nachbarschaftsduell gegen Athletic Bilbao wirklich sehr spät in Rückstand. Offensichtlich blieb aber noch etwas Zeit zur Aufholjagd, denn am Ende hieß es 0:2 - der "Kicker" vermerkte für den Treffer die Zeit (90./+9)! Da waren die wackeren Kantabrier im heimischen "El Sardinero" ("Der Sardinenhändler" - was gibt es noch für romantische Stadionnamen, schnief) wohl noch zu guter Letzt in einen Konter gelaufen...aber Insider wissen aus der Lektüre des ROB ja, dass Rácing sich gerne in weiß, schwarz und auch grün wandet, insofern nimmt die Geschichte vielleicht nicht mehr so sehr Wunder.
Dennoch: Sieger des Wochenendes sind die Rosa-Schwarzen vom US Palermo, denn in der UEFA BLCL zählt nicht nur das Pech beim Zustandekommen einer Niederlage, sondern auch die gesamte Performance. Und da gaben die etwa hundert Anhänger der "Rosanero" den Ausschlag, die die Fahrt nach Genua per Schiff auf sich nahmen. Es sollten nämlich deutlich mehr als die avisierten achtzehn Stunden werden, da die Sizilianer kurz vor dem Ziel bei stürmischem Wetter einen Motorschaden erlitten. Der "Kicker" beschrieb das Szenario wie folgt: "Man saß vor dem Hafen von Genua fest, kein Pay-TV auf dem Schiff, kein Spiel". Auch nach Spielschluss lagen die hundert Tifosi noch unverändert vor der lombardischen Hafenstadt. Sampdoria zeigte sich allerdings als gefühlvoller Gastgeber und ließ den Palermo-Fans eine Videocassette mit der Aufzeichnung der Partie an Bord bringen...
Freunde, war das ein bitterer Moment! Die ganze Arbeit, stundenlanges Bücherwälzen, Notizen machen, auflisten, aufarbeiten, in Form bringen - und dann: als hätte man die Magisterarbeit abgegeben und die Beurteilung lautet "Thema verfehlt". Nein, Freunde, da war nichts, und ist auch niemals etwas gewesen, nein, auch wenn Ihr alle es gesehen habt, und ROB selbstverständlich auch, nein, Ihr wart geblendet.
Der DFB hat gesprochen: der Torschütze zum 1:0 in Bochum heißt Marcel Maltritz! Es hat nie ein Eigentor gegeben von Steven Cherundolo, obwohl der Kopfball des besagten Maltritz nie ins Tor gegangen wäre und man nach der Logik den Treffer auch dem Freistoßschützen Christoph Preuß hätte zuschreiben können.
Nein, Freunde, stellt keine Fragen und vergesst die letzte Woche hier präsentierten Statistiken - sie haben keine Gültigkeit, denn es gab kein Eigentor! ROB selbst musste schon zum Inquisitionsgericht des DFB und hat selbstverständlich alles eingesehen. Natürlich, es war ein Tor von Maltritz, bitte tausendmal um Entschuldigung, natürlich, es stand schon Montag im Kicker aber in der allgemeinen Verblendung hatte ROB gar nicht nachgeguckt, aber das Hohe Gericht hat ihm die Augen geöffnet und: vielen Dank, dass es ROB noch einmal ungestraft gehen lässt.
Und beim Verlassen des Tribunals brummelte er vor sich hin: und die Bochumer hätten und haben DOCH nie ein eigenes Tor erzielt...!
"96 verlor sechs der letzten sieben Heimspiele", "Sieben Mal in Folge ohne Tor in Hälfte eins", "Keiner kassierte 2005 mehr Niederlagen (8)" - das liest sich wieder nett im "Kicker". Und da unser Gegner Mainz 05 sich noch richtig im Abstiegskampf befindet, müssen wir am Samstag wohl richtig dagegen halten, um Zählbares mit in die Heimat zu nehmen.
Pikant, dass in diesem Zusammenhang gerade das Interesse von Hannover 96 am Mainzer Fabian Gerber öffentlich wurde. Der Ex-96er hat in dieser Saison einen echten Lauf und könnte so, anders als bei seinem ersten Engagement bei uns, eine echte Verstärkung darstellen. Und überhaupt: ein "Gerber" hat bei den Fans in Hannover bestimmt einen guten Klang, während Utz Claassen bei einem "Ger-ber, Ger-ber" aus dreißigtausend Kehlen wohl das Wachtelei in der Loge im Hals stecken bleiben würde.
Am Samstag aber wird uns der Fabian anlässlich des ersten 96-Gastspiels am Bruchweg in der Bundesliga wahrscheinlich erst mal kräftig einheizen - da dürfte die beste "Auswärts-Abwehr" der Liga (14 Gegentore) ordentlich gefragt sein. Da es in der Fremde aber zuletzt besser lief für die Roten, wäre ein Dreier doch ein passendes Präsent für die zuletzt wenig verwöhnten Fans. Auch am "grünen Tisch", so wie 1995/96, würde ROB die Punkte mitnehmen - damals setzten die 05er beim 2:2 einen nicht spielberechtigten Akteur ein und die Partie wurde mit 2:0 für uns gewertet.
Falls bei Klopps Schützlingen aber die Spielerpässe alle stimmen, könnte 96 ja selbst Abhilfe schaffen: "Hier, Jürgen, wenn´s irgendwie eng wird bei Euch wegen Verletzungen, können wir Dir gerne aushelfen: wir hätten da z. B. den Roman Wallner, oder Vladi But, die brennen geradezu darauf, mal wieder zu spielen..."
Rote Grüße
ROB