ROBs Gedanken

85. Ausgabe
28. / 29. Spieltag 2005

"Geht nicht!" gibt´s nicht

Niemals. Auf gar keinen Fall. Never. Nein, der VfL Bochum hätte an diesem Nachmittag garantiert kein Tor erzielt. Zu harmlos waren die Gastgeber, um sich überhaupt in Szene zu setzen und vor unserem Tor abschlussschwach. Nur waren die Roten das auch, ließen sie doch in der ersten Halbzeit reihenweise dicke Chancen aus. Und dann stellten wir nach und nach unsere Bemühungen ein, immerhin hatte sich das Wochenende zuvor die Lauertaktik in Lautern ja am Ende ausbezahlt. Und wie die Pfälzer waren auch die Westfalen von erschreckender Harmlosigkeit. Doch unsere abwartende Haltung ab der etwa 30. Minute war nicht die Taktik des eigentlich Besseren, des Klugen, der auf die Fehler des Gegners wartet, um den entscheidenden Stoß zu setzen, sondern es war lediglich – wie sich später zeigen sollte - Unvermögen. Stück für Stück gaben die Roten das Spiel aus der Hand, ohne doch irgendwie in Gefahr zu geraten. Die Konstellation sprach eindeutig für ein 0:0 – doch es sollte anders kommen, und dieses Mal nicht mit einem guten Ende für uns.

Enttäuschend, was unsere 96er nach dem Rückstand auf dem Rasen des Ruhrstadions präsentierten – sie hatten längst den Faden verloren und waren nicht mehr im Stande, Gefahr zu produzieren. Auch kämpferisch waren uns die Bochumer jetzt überlegen, ohne dabei zu glänzen. Ein mieses Spiel.

Der VfL hatte es bis dato nur ein Mal in dieser Saison vermocht, zu Null zu spielen (beim 3:0 gegen Gladbach), wir wiederholten das Kunststück der Fohlen, obwohl wir die dicken Torgelegenheiten besaßen. Natürlich trifft Kaufman nicht jedes Wochenende im Doppelpack, aber auch Jiri Stajner verpasste einige mehr als gute Gelegenheiten. Das Wort "eigentlich" im Zusammenhang mit seinem Namen sollte im dritten Jahr seiner Tätigkeit für Hannover 96 langsam mal verboten werden.

Aber wer soll sonst im Sturm spielen? Ladehemmung und Verletzungen sowie eine Privatfehde des Trainers mit dem Spieler, dem man es im Augenblick vielleicht am ehesten zutrauen würde, vorne für den Befreiungsschlag zu sorgen – es stimmt nicht im Sturm. In der Tabelle der Chancenverwertung sind die Roten von einem vorderen Mittelfeldplatz vor der Winterpause auf den 14. Rang abgerutscht. Ironie des Schicksals, dass wir ausgerechnet das Tor des Tages selbst erzielten.

Sie nannten ihn "Blackout"

Also, erst leitete er die ganze Aktion mit einem dummen Foul im Mittelfeld ein. Den Freistoß – hoch in unseren 16er geflankt – erwischt Bochums Maltritz mit dem Kopf, aber nicht richtig, sodass sich die Kugel auf dem Weg Richtung Toraus befindet, aber da steht noch Cherundolo, der reflexartig den Kopf in die Flugbahn des Spielgeräts hält. So geht der Ball also doch noch in Richtung unseres Tors, nur dass Keeper Enke mit allem möglichen gerechnet hat, nur nicht, dass Steven noch so ins Geschehen eingreift – und drin ist die Kirsche. Niemand konnte das so recht nachvollziehen, was sich in Bruchteilen von Sekunden im Kopf des US-Amerikaners abgespielt haben muss. Am ehesten mochte man meinen, er habe gar nicht genau gewusst, an welcher Stelle des Strafraums er sich genau befindet. Er muss geglaubt haben, mit seiner Aktion den Ball vor einem sich vermeintlich in seinem Rücken befindenden Gegenspieler ins Toraus zu retten. Da war bloß niemand – und Cherundolo stand viel zentraler, als er wahrscheinlich dachte. Das anschließende Lächeln des gerne als Sunnyboy dargestellten Verteidigers kam dann auch recht gequält rüber – allen anderen, den Fans, den Spielern und allen voran Robert Enke, war es aber längst vergangen.

Lange Zeit war Steven Cherundolo in der Ära Rangnick nach dem Aufstieg in die Bundesliga ein Sicherheitsrisiko. Doch er hat gelernt, sich weiter entwickelt und ist zu Recht eine feste Größe bei Hannover 96. In Wolfsburg beim 0:1 etwa war er "Spieler des Spiels" im "Kicker" – eine Ehre, die selten einem Akteur aus den Reihen der unterlegenen Elf zuteil wird. Wenn er aber mal schlecht ist, dann ist er es auch richtig. Und dann sind da in Regelmäßigkeiten seine Aussetzer, die zugegebenermaßen in geringer Frequenz auftreten, aber irgendwie doch auffällig sind.

Wie jetzt in Bochum: erst das dumme Foul, dann das Eigentor. Wie letzte Saison in Freiburg: frühes Gelb, dem Schiri dafür einen Vogel zeigen, Platzverweis nach 25 Minuten (Endstand 1:4). Oder damals in Wolfsburg im Kollektiv mit Zuraw, wo sie sich nicht entscheiden konnten, wer von beiden nun den Ball von der eigenen Torlinie schlagen sollte, mit dem Endergebnis, dass sie sich einfach nicht entscheiden konnten und die Kugel unbehelligt über die Linie in unser Gehäuse kullerte. Treue Leser werden sich in diesem Zusammenhang noch der Schöpfung "Zurandolo" erinnern als Pendant zu "Stajmak"...

Aber mit diesem Eigentor dürfte Stevie ja erst mal wieder Ruhe geben für die nächste Zeit. Für ROB und seine Anhänger allerdings kann es selbstredend nicht wie gewohnt zur Tagesordnung übergehen – ein derart traumatisches Ereignis wie ein 96-Eigentor muss schließlich verarbeitet werden. Dazu müssen auch längst verdrängte Wunden wieder aufgerissen und die Vergangenheit schonungslos aufgearbeitet werden. Wer anders als Dr. ROB wäre geeigneter, diese kollektive Psychotherapie durchzuführen? Wer nach der Lektüre des Folgenden denkt, der Doc sei vielleicht selbst der größte Pflegefall, hat natürlich vollkommen recht...

Der Schuss, der nach hinten los ging

Kleines Brevier zur Geschichte des Eigentores in Bundesligaspielen des Hannoverschen Sportvereins von 1896 e.V.

"Fremder, liest Du diese Zeilen, so verneige Dein Haupt angesichts der Namen und Taten - zeigt sich doch gerade im Unglück die ganze Tragik der Helden..." Um genau zu sein, geht es an dieser Stelle natürlich nicht nur um Schüsse, da, wie nun im Fall CHERUNDOLO, ja auch ein Kopfball auf die schiefe Bahn geraten kann. Wie etwa im Kasus Mohammadou IDRISSOU, der einen der zahlreichen Sonderfälle zu diesem Thema darstellt: als bisher einzigem 96er gelang es dem Kameruner, in einem Spiel sowohl ins gegnerische als auch ins eigene Gehäuse zu treffen. Nach drei verlorenen Spielen zu Beginn der Saison 2002/03 konnte er im bereits als Schicksalspartie titulierten Heimspiel gegen Energie Cottbus die Gästeführung zunächst zwar ausgleichen, stürzte dann aber die 96-Fans mit einem übermotivierten Einsatz in tiefe Depressionen, als er einen Einwurf des Gegners im eigenen Strafraum unbedrängt über den fangbereiten Jörg Sievers in dessen Tor verlängerte. Der Schock saß tief nach dem ersten Bundesliga-Eigentor seit 13 Jahren; und die Partie ging am Ende mit 1:3 verloren.

Doch der Reihe nach: schließlich muss an dieser Stelle, auch wenn es der Lust des geneigten Lesers zuwider ist, zuerst mit harten Zahlen gearbeitet werden. Seit Bestehen der Bundesliga kam es demzufolge bei Spielen mit Beteiligung des HSV von 1896 e.V. zu insgesamt dreißig Eigentoren, was einem Schnitt von 18,9 Spielen je Eigentor entspricht. Davon verursachten die Roten 19 (also eines alle 29,9 Partien), die Gegner 11 (Schnitt 51,6) – was eine klare Zweidrittel-Mehrheit für Hannover 96 bedeutet. An der Leine beträgt das Verhältnis der Eigentore Pro:Contra = 6:7, in der Fremde 5:12.

Dabei lässt sich seit der Spielzeit 1973/74 eine deutlich negative Tendenz feststellen (Pro:Contra = 4:13) – bis dahin lautete das Verhältnis immerhin 7:6 – die sich auch seit dem letzten Wiederaufstieg im Jahr 2002 im Eigentorverhältnis von 1:4 fortführt. Dem bereits beschriebenen Idrissou-Lapsus folgte zunächst am 10. Spieltag bei den Bayern das Eigentor des Münchners KUFFOUR, das den für den Rekordmeister noch schmeichelhaften 3:3-Endstand besiegelte, und am 14. Spieltag das 0:3 durch Danijel STEFULJ (der in München dem Sammy noch vorgelegt hatte) beim VfB Stuttgart, was gewissermaßen das Ausrufezeichen hinter eine desolate Vorstellung der Roten darstellte. In der Folgezeit fiel bis zu Cherundolos Fehlleistung vom vergangenen Wochenende nur noch ein Eigentor: das von Per MERTESACKER vergangene Saison in Schalke, als der Youngster – wie zuletzt mit Gesichtsmaske wegen eines Nasenbeinbruchs – in der 63. Minute eine Böhme-Flanke bedrängt ins eigene Tor grätschte. Eine kampfstarke Vorstellung der Roten verhinderte, dass der 1:1-Ausgleichstreffer die Wende bedeutete und den jungen Mann zum endgültigen Pechvogel machte – am Ende trennte man sich 2:2.

Es war der 20. März 2004. Auf den Tag genau 39 Jahre vorher hatte die Malaise begonnen, vielleicht drei, vier Kilometer entfernt, mit demselben Resultat. Die Roten gastierten am 24. Spieltag der Saison 1964/65 ebenfalls bei den Königsblauen. Die spielten damals allerdings noch in der Glückauf-Kampfbahn im Herzen von Gelsenkirchen-Schalke. Erst elf Minuten waren gespielt, als 96 mit 0:1 in Rückstand geriet: Heinz STEINWEDEL hatte die Kugel ins eigene Netz befördert und damit für das erste Bundesliga-Eigentor in der Geschichte der Roten gesorgt. Die erkämpften sich aber auch damals noch ein 2:2. Unglücksrabe Steinwedel aber schlug nur zwei Spiele später erneut zu: bei der Frankfurter Eintracht unterlief ihm in der 74. Minute ein weiterer Lapsus mit Folgen. Das zwischenzeitliche 1:3 aber bedeutete keineswegs die Vorentscheidung, denn Nix und Rodekamp sorgten mit ihren Treffern in der Schlussphase dafür, dass erneut zumindest noch ein Punkt mit an die Leine genommen werden konnte.

Auch in der folgenden Saison war Heinz Steinwedel zur Stelle: am 30. Spieltag vereitelte er in der 87.Minute beim Stande von 2:1 gegen den 1.FC Nürnberg einen doppelten Punktgewinn für die Hausherren und belegt damit bis dato Platz eins der 96er Eigentorjägerliste – wenn auch nicht alleine. In der Zwischenzeit war endlich auch das erste Selbsttor zu Gunsten der Messestädter gefallen: das 6:0 am 6. Spieltag 1965/66 von Erich LEIST (Borussia Neunkirchen) in der Schlussminute hatte allerdings keinen wirklich entscheidenden Einfluss mehr auf den Spielverlauf.

Die beiden folgenden Saisons standen im Zeichen von Otto LASZIG, dem jeweils die einzigen, und dazu noch entscheidenden, Eigentore gegen Hannover pro Spielzeit unterliefen. Am 11. Februar 1967 bedeutete sein Lapsus in der 17. Minute bereits das Tor des Tages für die Fortuna in Düsseldorf, am 11. Mai 1968 stellte Laszig nach 71. Minuten in Nürnberg mit dem 1:2 für den Club die Weichen auf Sieg. In seine Fußstapfen trat später Peter ANDERS, dessen Unglück Fortuna Köln in unserer Abstiegssaison 1973/74 den Anschluss zum 2:1 ermöglichte, dem schließlich das 2:2 der Südstädter folgte – am darauf folgenden 10. Spieltag unterlief dann sogleich Rolf KAEMMER beim 1:2 gegen Rot-Weiß Essen ein weiteres Missgeschick, was die 96-historisch einzigartige Tatsache von zwei Eigentoren in zwei aufeinander folgenden Partien bis heute zementiert. Anders aber zog 1975/76 in den "Zweier-Club" ein, beim 4:1-Sieg über den VfL Bochum sorgte sein zwischenzeitliches 2:1 aber nur vorübergehend für Aufregung.

In jener Saison blieb eine weitere 96-Legende nicht vom Unheil verschont: Abwehrspieler Reiner STILLER besiegelte nach einem 3:3 zur Halbzeit beim MSV Duisburg kurz vor Ende das rote Schicksal ebenso wie Günter WESCHE am 18.Spieltag, als er am Gladbacher Bökelberg beim Stande von 0:1, in der 74. Minute eingewechselt, nur eine Minute später für den 0:2-Endstand sorgte. Kein Wunder, dass so eine Spielzeit in der Zweiten Liga ihr Ende nahm – drei Eigentore ins rote Herz in einer Saison hat es vor- und nachher nicht wieder gegeben.

Dabei hatten sich zwischen der "Ära Laszig" und der von Peter Anders die Gegner alle Mühe gegeben, das Eigentorverhältnis auszugleichen: der Hamburger SV eröffnete den Reigen mit Reinhard LÖFFLER, der am 6. Spieltag des Spieljahres 67/68 an der Elbe nach 43 Minuten die Seinen zwar in Führung brachte, als ordentlicher Gastgeber aber noch vor dem Seitenwechsel für den umgehenden Ausgleich sorgte – einmalig auf Seiten von Hannovers Widersachern. Am Ende behielten die Roten mit 3:2 die Oberhand. Auch in der folgenden Saison wurde an der Alster gewonnen: zum triumphalen 4:1-Sieg steuerte das Hamburger Urgestein Jürgen KURBJUHN bereits nach 7 Minuten das vorentscheidende 2:0 bei.

Zu Beginn der Spielzeit 69/70 machte unser späterer Trainer-Wüterich Egon COORDES in Reihen von Werder Bremen mit dem zwischenzeitlichen 3:1 für die Roten alles klar (das 3:2 der Grün-Weißen kam zu spät) – sein Malheur von damals hat er wahrscheinlich heute noch nicht verwunden. In der Folgezeit kam Aufbauhilfe für Hannover 96 im blau-weißen Gewand daher. Herthas WITT (zum 1:0 beim 2:1-Sieg) hatte seinen Anteil an unserem Erfolg, während das 1:1 des Berliner FERSCHL in der folgenden Saison ohne positive Folgen blieb – am Ende setzte es ein 1:3 an der Spree. Den gleichen Spielverlauf gab es am 21. Spieltag 73/74 in Bochum zu bestaunen, womit der zwischenzeitliche Ausgleich durch VfL-Spieler GALESKI ebenfalls ohne positive Wirkung blieb. Dabei hatte Bochums Gerd WIESEMES 1971/72 beim 4:0 in Hannover mit seinem zweiten Treffer noch einen erheblichen Anteil an unserem Erfolg gehabt.

Da wir nun schon fast alle durch haben, wollen wir die 96er Karl-Heinz "Kaschi" MÜHLHAUSEN (am 11. Dezember 1965 zum 0:3 beim 2:4 in Stuttgart) und Roman GESCHLECHT (am 15. März 1986 zum 0:1 beim 0:3 in Köln, obendrein noch mit einer Roten Karte für "Matze" Giesel) nicht unerwähnt lassen. Ebenso sei dem Waldhöfer Dieter FINKE gedankt, der am 10. Oktober 1987 den 3:1-Endstand für Hannover 96 perfekt machte.

Biegen wir also auf die Zielgerade: diese steht ganz im Zeichen von Karlheinz GEILS, denn auch der hat drei Mal ins falsche Tor eingenetzt, und das in Folge und im Trikot der Roten. Die letzten drei Eigentore vor dem dreizehnjährigen Dornröschenschlaf, gewissermaßen. In der Saison 87/88 sorgte er für den 2:1-Anschlusstreffer zugunsten des VfB Stuttgart (Endstand 3:3). Zum Start der folgenden Spielzeit vermieste Kalle den 96-Fans den Auftakt, als er drei Minuten vor Schluss dem Karlsruher SC zum 3:2-Siegtreffer verhalf. Am fünften Spieltag unterlief ihm, wieder daheim, gegen Bayer 04 Leverkusen das zwischenzeitliche 1:1, am Ende hieß es 2:2, obwohl die Pillendreher ihrerseits uns in der 70. Minute durch SECKLER noch in Führung gebracht hatten. Je ein Eigentor in einem Spiel – das ist ebenfalls bis heute einmalig in einem Bundesligaspiel mit Beteiligung von Hannover 96.

Zu guter Letzt seien noch die Saisons 70/71 und 72/73 erwähnt. Keine Angst: diese gingen ohne jedes Eigentor über die Bühne, was mit der Spielzeit 04/05 ja beinahe auch geklappt hätte...

Was wurde eigentlich aus...der Planungssicherheit?

Ein ganz heißes Thema sind im Moment ja die Vorbereitungen unserer Verantwortlichen im Hinblick auf die kommende Saison. Denn schon etwa zum Abschluss des "goldenen" Oktober 2004 ließen die Kind, Kaenzig & Co unisono verlautbaren, wie toll doch die Situation in dieser Spielzeit sei, da man angesichts der bereits erreichten hohen Punktzahl ja viel früher als in den Vorjahren "Planungssicherheit" habe und daher viel eher für die kommende Saison planen könne. Was die Verpflichtung von Spielern angeht, ist seither de facto nichts passiert.

Einen Augenblick, eine kurze Unterbrechung: HAAAAALLLLLLOOOO! HAAAAAALLLLLLLOOOOOOO!? AUFWACHEEEEEEEEEN! Ja, genau, die Herrschaften, die beim Kapitel mit den Eigentoren eingeschlafen sind: ES GEHT WEITEEEER!!!!! Also, bitte den ersten Absatz lesen, dann fahren wir fort. Mannmannmann...

Also: es ist natürlich doch etwas passiert. Wir haben in der Winterpause Veljko Paunovic verpflichtet. Aber das zählen wir hier mal nicht mit, konnte der Serbe die 96-Fans doch bisher nicht überzeugen. Und bis Saisonende dürfte es ihm bei seiner langwierigen Verletzung auch kaum noch gelingen.

Was ist sonst noch passiert: mit Krupnikovic und de Guzman verlassen uns zwei wichtige Spieler im Mittelfeld, zwei Lücken also, die dringend geschlossen werden müssen, da man mit Ricardo "Null-Bock-auf-Lienen" Sousa wohl nicht zu rechnen braucht. Obendrein benötigen wir nächstes Jahr unbedingt wieder einen Torjäger, wenn der Trainer schon Christiansen keine Chance mehr geben will bzw. der wohl auch schon keine Lust mehr hat, für 96 Tore zu schießen.

Zeit genug war bisher vorhanden, um die entsprechenden Kontakte zu knüpfen, doch dann hieß es aus der Chefetage plötzlich, es sei kein Geld vorhanden für größere Transfers. Dass das nichts heißen muss, zeigte schon in der Winterpause der Fall Paunovic. Nun hat der Präsident offensichtlich Gefallen an einer Rückkehr von Thomas Brdaric gefunden und plötzlich wäre das auch finanziell möglich – nur unter bestimmten Voraussetzungen selbstverständlich. Ob sich so eine erfolgreiche Zusammenarbeit wiederholen lässt, ist natürlich schon die Frage, allerdings könnte uns der Storch – ob man ihn nun mag oder ablehnt – schon weiterhelfen. Er dürfte wohl auch günstiger sein als der ebenfalls ins Spiel gebrachte Vahid Hashemian, über dessen aktuelle Leistungsstärke man sich überhaupt kein Bild machen kann.

Der von Ilja Kaenzig brandheiß ins Spiel gebrachte Schalker Michael Delura erfüllt hingegen eigentlich gar nicht das Anforderungsprofil: er ist gelernter Außenstürmer und auch nicht gerade ein Knipser. Obendrein wird Schalke ihn nur ausleihen wollen, und mit Leihspielern lässt sich nur schlechterdings eine Mannschaft mit Zukunft aufbauen.

Für die Mittelfeldposition erwies sich etwa Freiburgs Bajramovic als eine Nummer zu groß, bzw. die Mitbewerber um den bosnischen Nationalspieler. Das kann vorkommen. Im Fall des Gladbachers Thomas Broich aber stand lange Zeit eine Ausleihe zu 1860 München zur Debatte – da hätten wir schon mal zupacken und die Geschichte in trockene Tücher bringen sollen. Inzwischen ist auch Borussia Dortmund an dem U21-Nationalspieler dran, er wäre allerdings gut beraten, wenn er zu uns käme, da er bei 96 ja einen Stammplatz garantiert hätte. Wenn man sich von Seiten des Vereins allerdings nicht intensiv bemüht, muss man sich nicht wundern, wenn man am Ende in die Röhre guckt.

Das gilt auch für Simon Rolfes von Alemannia Aachen, der ebenso schon länger bei uns auf dem Zettel steht. Mittlerweile ist an dem Ex-Bremer auch z.B. der Hamburger SV dran, der ja etwas mehr zu bieten im Stande ist. Dann gäbe es aber auch noch Levan Tskitishvili vom SC Freiburg, der ablösefrei ist und verlautbaren ließ, er wolle nicht mehr in die Zweite Liga. Der ist zwar grauhaarig, aber erst 27 Jahre alt, ein guter Distanz- und Standardschütze und kann aus dem defensiven Mittelfeld einen vernünftigen Pass spielen (dass er im Spiel gegen 96 mit einem Elfer an Enke scheiterte, rechnen wir mal der Klasse unseres Keepers an). Ebenfalls ablösefrei fürs Mittelfeld wäre Lauterns Grammozis zu haben – allerdings mit einem größeren Fragezeichen bezüglich ausreichender körperlicher Gesundheit.

Und auch in der Viererkette gibt es Gründe genug, über Verstärkungen nachzudenken. Auf der linken Seite haben wir ja in den letzten Wochen vorgeführt bekommen, was für Not am Mann ist, wenn die beiden Platzhalter nicht spielen können. Michael Tarnat ist einfach zu verletzungsanfällig und nach ROBs Meinung – die etwa mit der des "Kicker" nicht übereinstimmt – auch kein besonderer Gewinn für die linke Seite. Zu langsam für die Defensivaufgaben, unpräzise Flanken und die Freistöße sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Nachfolger Sören Halfar ist dagegen noch zu jung für eine komplette Saison – er erlebt gerade die ersten Härten und Verschleißerscheinungen des Geschäfts. Für diese Position wäre etwa Gladbachs Bernd Korzynietz (23 Jahre, ablösefrei) interessant, doch den reißt sich gerade – jawohl – Arminia Bielefeld unter den Nagel. Bremens Paul Stalteri wurde wochenlang von Werder mit der Vertragsverlängerung hingehalten – zu dessen laut verkündeten Unmut. Reagiert hat aber bei 96 offensichtlich niemand – inzwischen soll ihm SVW-Manager Allofs ein neues Angebot gemacht haben. Tja, dabei kann der Kanadier links und rechts spielen, er würde also auch dem konkurrenzlosen Cherundolo etwas Dampf machen.

Nun kann man sich sicher über die an dieser Stelle genannten Namen streiten, aber es waren immerhin ungefähr schon doppelt so viele Kandidaten, wie sie in den letzten Monaten von Vereinsseite aus benannt worden sind. Doch an der Leine herrscht weiter Ruhe, zumindest in der Vorstandsetage, während mancher Fan mit tiefen Sorgenfalten an die kommende Saison denkt und sich fragt: wieso kommen die nicht aus dem Quark? Die zentralen Positionen – defensives und offensives Mittelfeld sowie ein Mittelstürmer – müssen, knappe Kasse hin oder her, neu besetzt werden. Den zeitlichen Vorteil hat Hannover 96 jedenfalls bereits verstreichen lassen.

Es würde also nicht verwundern, wenn wir am Ende die Rolle des Spielmachers und Torjägers mit einer Person besetzen müssten. Dafür würde sich Marek Heinz anbieten, der obendrein noch weitere Charakteristika der 96-Einkaufspolitik der letzten Jahre auf den Punkt erfüllen würde: er ist Tscheche, eigentlich Weltklasse und hat irgendwie einen Sockenschuss...

Das nächste Spiel

Über den kommenden Gegner braucht man nicht viele Worte zu verlieren. Eine Niederlage wäre kein Beinbruch, auch wenn sich unsere Bilanz gegen die Münchner zuhause mit fünf Siegen, fünf Unentschieden und fünf Niederlagen eigentlich vergleichsweise stabil und angesichts des Kontrahenten durchaus positiv darstellt. Schön wäre es, wenn, wie etwa 1969, ein Sieg herausspringen würde – vor sage und schreibe 11.500 Zuschauern! Mal ehrlich, mehr Besucher haben die Bayern doch eigentlich nicht verdient, aber irgendwie wird da wohl nichts draus – zumindest, was die Zuschauerzahl angeht...

Rote Grüße

ROB

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