Das war Armut gegen Elend,...
(Kaiserslauterns Torwart Thomas Ernst nach dem Spiel FCK - 96)
Na, wenn da mal nicht die nächste Serie droht - immerhin stehen jetzt schon wieder zwei Siege in Folge zu Buche für unsere Roten. In zwei aufeinander folgenden Partien getroffen hatten wir zuletzt ja gegen Dortmund (1:3) und in Bielefeld (1:0), zwei Tore in einem Spiel gelangen uns vor dem 2:1 gegen Gladbach beim Hamburger SV am 16. Spieltag (!) und zwei Mal zwei Tore (oder mehr) in Folge im goldenen Oktober 2004, als nacheinander Rostock (3:1), Wolfsburg (3:0), Gladbach (2:0), Lautern (3:1) und Bochum ihr Fett weg bekamen. Überhaupt: ein Tor von uns reichte diese Saison nur gegen Schalke und in Bielefeld zum Sieg, hingegen gab es bei mindestens zwei Treffern nur ein Mal keinen Dreier für 96, nämlich im ersten Heimspiel der Spielzeit beim 2:2 gegen den SC Freiburg.
Gute Abwehrarbeit also hin oder her, schlussendlich müssen die Roten knipsen, wenn sie Erfolg haben wollen. Ein "Doppelpack" wie am Samstag ist dann schon drei Viertel der Miete - wie die Statistik exakt nachweist: nur Stajnis "Double" gegen Freiburg reichte nicht zum Erfolg, sein zweites führte im Hinspiel gegen den FCK zum Triumph, ebenso das von Schröter gegen Wolfsburg und nun das von Jiri Kaufman.
Eine schöne Wendung gab der Joker-Auftritt des Tschechen diesem weitgehend tristen Fußball-Nachmittag (der Kicker bewertete das Geschehen auf dem Betzenberg mit der Note 4,5), an dem eigentlich nur die artistische Flugkopfballeinlage des Lauterers Lembi in der ersten Halbzeit - eine völlig missratene 96-Flanke, die weit neben dem FCK-Tor herunterkam, versuchte er zur Ecke zu "retten", obwohl weit und breit kein anderer Spieler zu sehen war - die Zuschauer zumindest im Niedersachsenstadion in Berlin zu einem heftigen Begeisterungssturm anregte. Da die Aktion des Kongolesen aber nicht von einer Ecke für die Roten gekrönt wurde, weil sich die Kugel tatsächlich schon im Toraus befunden hatte, bevor Lembi halsbrecherisch den Kontakt mit ihr herbeiführte, war dieser Freudenausbruch aber lediglich von kurzer Dauer.
Wer wollte, konnte sich anfangs auch noch über das rüpelhafte SpielverständnisCiriaco Sforzas aufregen, der zwei Mal vor den Augen des Schiris Doktor Helmut - ähem - Fleischer ungestraft, mit gestrecktem Fuß, die Sohle voran in einen 96er hineintrat. Es gibt eben wohl Spieler, bei denen sich der Schiri denkt: "Normalerweise würde ich ja jetzt Gelb zeigen, aber für ein Foul von Sforza/Schnoor/Nowotny etc. pp. war das ja eigentlich noch harmlos..." - wohl dem, der sich seinen Status auf dem Platz ehrlich erkloppt hat!
Es war also alles für ein 0:0 der schlechteren Art angerichtet, doch dann geschah das, was den FCK-Keeper zu der etwas despektierlichen Schlussfolgerung kommen ließ: "(...) und Elend hat gewonnen". Nun, diesen Kommentar mit Humor zu nehmen, kann man sich als Sieger problemlos leisten, meint ROB - werfen wir lieber noch ein Auge auf den Matchwinner...
Ich habe lange Zeit keine Rolle gespielt, aber ich war jederzeit bereit. (Jiri Kaufman)
Zur Pause für den blassen Stendel eingewechselt, setzte Jiri Kaufman mit zwei Buden in echter Abstaubermanier in der Schlussphase die beiden Wirkungstreffer gegen die weitgehend harmlosen Gastgeber. Diese Tatsache reichte aber nicht nur zur Kicker-Note 1,5 und zur Ernennung zum "Spieler des Spiels", auch ein Platz in der "Elf des Tages" war ihm sicher und obendrein gar noch der wöchentlich höchste Lorbeer, nämlich "Mann des Tages". Und da Tore in letzter Zeit ein kostbares, weil seltenes Gut auf Seiten der Unsrigen waren, entbrannte sogleich eine heiße Diskussion über die Zukunft des Tschechen, die bis dato - der Vertrag läuft im Sommer aus - sich so düster darstellte, dass er selbst sie mit der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassenden Formulierung beschrieb, er habe bislang "keine Kontakte zu keinemVerein".
Manager Ilja Kaenzig hat sicher Recht, wenn er sagt, dass er wegen einer Halbzeit nicht gleich einen neuen Vertrag aufsetze, doch für die nächsten Partien dürfte Kaufman seine Chance bekommen, erkannte Ewald Lienen, zuletzt auf das Thema angesprochen, doch die immer guten Trainingsleistungen des Mannes, der nun immerhin auch schon seit dem Jahr 2000 bei Hannover 96 unter Vertrag steht. Wenn man mal die Eigengewächse im Kader wie Schinner oder Mertesacker außer Acht lässt, sind also nur echte Heilige wie Stefulj, Cherundolo, Stendel (seit 1999) und natürlich Altin (seit 1998) länger bei den Roten. Nimmt man die vielen Tiefen, die Kaufman seither erlebt hat, kann man ihm das kleinste Erfolgserlebnis nur von Herzen gönnen.
Dabei spielte die hier letztens erwähnte Verletzung noch aus Zweitligazeiten sicherlich eine Rolle. Andererseits wurde ihm immer wieder ein Mangel an dem Biss attestiert, den er im Moment gefunden zu haben scheint. Dass auch hinter dem meist regungslosen Gesicht und seiner still (erscheinenden) Art, die 96-Fans ja schon "gut" von seinen Landsleuten Simak und Stajner kennen, ein gewisses skurriles Potential steckt, beweist die nun im "Kicker" veröffentlichte Erklärung für diesen Mangel: "Ich sollte eigentlich ein Mädchen werden (...), meine Mutter Marcela hatte schon die Ohrringe gekauft. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass ich manchmal ein bisschen zu zaghaft bin." Hält man das eher markige Zitat aus dem Untertitel dagegen, schlagen da in Kaufmans Kopf wohl auch zwei Seelen sich in seinem Gehirn, die u. a. auch im Gegensatz zwischen männlichem Gesicht und weiblicher Frisur zum Ausdruck kommen, was dazu führt...
UEFA-Pokal oder so. (Der große Jan Simak)
So, jetzt ist aber mal gut mit dem Rumpyscho...psy...psychologisieren. Es ist doch bekannt, dass Männer es an der nötigen Härte mangeln lassen, wenn sie früher zu viel mit Mädchen gespielt haben. Bei Jiri Kaufman war das doch auch so, ROB weiß Bescheid, jaja, lasst es Euch gesagt sein, hier: ROB sagt nur "Tesla Pardubice", und mit "Petra Drnovice" hat er auch gespielt, früher. Da braucht Ihr nur mal ins Kicker-Sonderheft zu schauen, da steht so was nämlich drin, ihr Flitzpiepen!
Wie, was? "Bei"? "Bei", was heißt denn hier "bei"? "Der hat BEI Petra Drnovice jespielt?" Na, bei WEM die nun gespielt haben, spielt doch überhaupt keine Rolle, wichtig ist doch, DASS sie miteinander...was? Das sind Fußballvereine? Tesla und Petra Dingens? Na ja, da wundert ROB aba jetz´ jar nüscht mehr...
Letzten Donnerstag hätte es im "Kicker" ja die Gelegenheit gegeben, etwa über den ersten 96-Sieg nach sieben Spielen zu berichten. Oder etwa über den neuerlichen Nasenbeinbruch von Per Mertesacker und dessen Folgen. Nun, genau genommen wurde über die Verletzung berichtet, etwa in der Rubrik mit den voraussichtlichen Aufstellungen, wo es hieß: "Es fehlen: Barnetta (...), Tarnat (...),Mertesacker (Nasenbeinbruch), Halfar...". Oder in der Rubrik "Personalien", die etwa eine halbe Seite einnimmt und darin Ausfälle sämtlicher Bundesligisten kurz und knapp bilanziert, Marke "brach sich die Nase und wurde gestern operiert" - Punkt. Im für Hannover 96 reservierten Teil war ja auch kein Platz dafür, weil der schon komplett mit einem Interview gefüllt war, in dem sich Veljko Paunovic unter Anleitung von Thiemo Müller, dem Meister der Suggestivfrage ("Sie fühlen sich missbraucht im Machtkampf Kaenzig-Lienen?") so richtig über Interna auslassen bzw. -kotzen durfte - Titel: "Hätte ich alles gewusst, wäre ich nie gekommen".
Auch wenn der geneigte Leser leicht genervt ist ob der an dieser Stelle ausgetragenen Fehde gegen den Mann vom "Kicker", auch wenn Mertesacker am Ende doch spielte, auch wenn es tatsächlich internen Zoff gibt, aber der eigentliche Verursacher im Moment Präsident Kind ist, war ROB schon wieder ganz begeistert von der Berichterstattung. Wie´s auch geht, zeigt Kollege Sebastian Wolff in dieser Donnerstag-Ausgabe, in der er zur Abwechslung mal wieder für die Roten zuständig ist: kleiner Bericht zur Situation des Mannes der Stunde, Jiri Kaufman, und zu der des Sturmkollegen Thomas Christiansen. Das ganze mit aktuellem Bezug, informativ und extrem angenehm unaufgeregt - bzw. extrem angenehm unaufregend...
Manchmal verlieren sich die Spuren ehemaliger 96er und man fragt sich Jahre nach ihrer roten Schaffensperiode: "Wo spielt eigentlich / was wurde eigentlich aus XY?" Bei allein 35 Zugängen und zahllosen Abgängen in den drei Bundesligajahren fällt da der Überblick nicht immer leicht, ganz zu schweigen von Zweit- und Regionalligazeiten. Der letztes Mal an dieser Stelle genannte Christ Bongo etwa ist so ein Kasus - er gehört zu denen, die noch zur Fahndung ausgeschrieben sind.
Schön, wenn man dann einen Fall wieder zu den Akten legen kann, nämlich die Akte: "Müller, Heinz". Der 96-Fan erinnert sich an den Torwart, der als Nummer Zwei hinter Sievers als Keeper der Zukunft aufgebaut werden sollte, dem aber nie der richtige Durchbruch gelang - nicht zuletzt auch wegen seiner Eskapaden abseits des Spielfelds. So wechselte er frustriert nach Bielefeld, wo er sich eben so wenig durchzusetzen vermochte, dann begann er, langsam seine Spuren zu verwischen: hier mal ein Intermezzo bei St. Pauli, da eines bei Jahn Regensburg (oder war es doch Reutlingen?) und - schwupps! - war er abgetaucht, der lange Luftikus mit der "Helden-in-Strumpfhosen"-Frisur.
Doch dank des "Kicker", auf dessen Unverzichtbarkeit hier ja immer wieder hingewiesen wird, ist er nun wieder aufgetaucht: als Neuzugang bei Lilleström SK (in Norwegen beginnt gerade die neue Fußballsaison)! Doch dem nicht genug: auch ein dazwischen fehlendes Puzzle-Teil wird mitgeliefert, quasi möglicherweise das "black ticket", das Heinz Müller zum Abtauchen verhalf. Es hört auf den Namen Odd Grenland und ist ebenfalls norwegischer Erstligist, von dem Müller gerade zu Lilleström gewechselt sein soll. So gesehen ein kleiner Aufstieg in der Karriere des Heinz Müller - eventuell kommt ihm das geringe Angebot im Nachtleben Norwegens ja sportlich zugute.
Allerdings wäre ihm zuzutrauen, dass ihm die Decke dort bald auf den Kopf fällt - dann könnte sich der "schwarze Heinz" wieder auf Wanderschaft begeben. Bewahren wir die Akte "Müller, Heinz" also lieber griffbereit auf - sachdienliche Hinweise werden an dieser Stelle gerne und wenn gewollt auch streng vertraulich entgegengenommen...
Unser kommender Gegner hat das schon erlebt, was viele 96-Fans befürchten, wenn die Roten es dieses Jahr irgendwie ins internationale Geschäft schaffen. Dann heißt es oft: "Denk´ bloß mal an Bochum!" Unter Klaus Toppmöller schaffte der VfL 1996/97 als Aufsteiger einen sensationellen fünften Platz und spielte in der darauf folgenden Spielzeit mit beachtlichem Erfolg im UEFA-Cup. National allerdings fehlten Kraft und Euphorie und so schrammten die damals schon nicht mehr Unabsteigbaren knapp am erneuten Sturz in die Zweitklassigkeit vorbei. Ein Jahr darauf wurde dieser aber dann unumgänglich.
Es folgten Aufstieg, Abstieg und Wiederaufstieg im Jahresrhythmus. Erst, als der VfL mit Peter Neururer zusammen mit den Roten aufstieg, hielt der Fahrstuhl auf Dauer wieder in der Bundesliga. Die Elf aus dem Revier schnitt 2002/03 sogleich auch besser ab als 96, obwohl sie gerade so noch auf den Aufstiegszug aufgesprungen war. 2003/04 dann landeten die Bochumer wieder auf Platz fünf - "die Nummer 1 im Pott sind wir" schallte trotzig hinüber nach Dortmund und Schalke. Und dieses mal wollte man sich länger festsetzen an den Fleischtöpfen der Bundesliga, aber auch an denen des internationalen Geschäfts.
Allerdings gingen mit Fahrenhorst, Freier und Hashemian wichtige Säulen des Erfolgs, doch in Bochum reinvestierte man die Einnahmen ganz im Stile der Großen der Liga. Aber die Neuen schlugen nicht wirklich ein, die Gruppenphase im UEFA-Cup, die reichlich zusätzliche Einnahmen gebracht hätte, wurde auf traumatische Weise in der Nachspielzeit gegen Standard Lüttich verspielt und in der Bundesliga ging es darauf stetig bergab.
Mittlerweile gehört der VfL zu den heißen Abstiegskandidaten und scheint den Sprung vom UEFA-Cup in die Zweite Liga noch schneller vollziehen zu wollen als damals Ende der Neunziger. Die Nummer 1 an der B1 will man schon gar nicht mehr werden, Hauptsache ist wieder mal das Brot der frühen Bundesligajahre des VfL, Hauptsache: drin bleiben!
Die Roten könnten der Neururer-Elf dabei einen entscheidenden Stoß versetzen, wenn auch einige 96er das gar nicht gerne hätten, soll es doch am letzten Spieltag der vergangenen Saison bei unserem Gastspiel an der Castroper Straße nach Schlusspfiff zu einer ordentlichen, gemeinsamen Party gekommen sein. Samstag aber müssen die 96-Fans im Ruhrstadion eventuell Taschentücher reichen. Den berüchtigten "Neururer-Shuffle" könnte dann das Schicksal so manchen saisonal bedingten Modetanzes ereilen - an "Lambada" erinnert sich schließlich auch niemand mehr, und wenn doch, dann nur höchst ungern...
Rote Grüße
ROB