ROBs Gedanken

83. Ausgabe
26. / 27. Spieltag 2005

Venimus, vidimus: Vinicius!

Meist souverän in seiner neuen Rolle, viele Balleroberungen, krönte seine gute Leistung mit dem entscheiden Tor.

Uff! Und nochmal: uff! Man kann es gar nicht oft genug sagen. Also: uff!...uff.!..uff!...na gut, wird auf Dauer vielleicht auch etwas langweilig. Aber: wer würde nicht behaupten, dass dieser Sieg über Gladbach ungemein wichtig war? Und wer konnte bei Halbzeit noch an ihn, also den Sieg, glauben? Und wer dachte im Ernst nach Kaufmans Pfostenschuss noch, dass Hannover 96 überhaupt jemals wieder das gegnerische Tor treffen würde? Ja, ja, natürlich, richtig, das kann man so nicht sagen, denn nach der Dialektik des großen TED, so etwas wie der Konfuzius unter den Fußball-Weisen, HAT der Jiri ja das Tor getroffen, aber halt nur den "Rahmen". Doch schon wieder im Ernst: nach dieser Riesengelegenheit, wer hätte da geglaubt, dass Hannover 96 jemals wieder IN das gegnerische Tor treffen würde. Aha! Genau - nämlich niemand! Und wer jetzt hier das Gegenteil behauptet, kann das ja ruhigen Gewissens tun, denn gleich mit der nächsten Torchance klingelte es dann ja im Kasten der Gladbacher, und dem nicht genug: jetzt lief es plötzlich wieder wie geschmiert - also im rein sportlichen Sinn - und die Roten bekamen das Geschehen derart in den Griff, dass die Kommentatoren, die Presse und die Millionen Kenner ausnahmslos landauf landab im Zusammenhang mit 96 Floskeln wie "plötzlich läuft es wieder", "wie geschmiert" oder auch sehr gerne "wie befreit" und dann natürlich "aufspielen" zu benutzen ja geradezu gezwungen schienen.

Und dass der Siegtreffer dann ausgerechnet durch den vermeintlichen Notnagel Vinicius fiel, setzte dem Nachmittag irgendwie die Krone auf. Der Mann, der von Ituano FC an die Leine kam, ein klassischer Vorstoppertyp, der aber wegen der Ähnlichkeit seines Profils mit dem von Per Mertesacker und dem auch nicht allzu unähnlichen von Dariusz Zuraw trotz guter Trainingsleistungen bei Ewald Lienen irgendwie nicht zum Zug kam. Zuletzt musste er dann den Springer machen, so, wie es früher Daniel Stefulj vorbehalten war: in Wolfsburg sollte er auf der linken Seite das Loch stopfen, eine undankbare Aufgabe für einen gelernten Innenverteidiger. Prompt bekam er vom "Kicker" die Note 4. Gegen Gladbach dann musste er den Staubsauger vor der Abwehr geben. Dort, wo vor Wochenfrist mit Lala, de Guzman und Dabrowski gleich drei Leute die Drecksarbeit verrichteten. Diesmal aber wurde Vinni zurecht mit der Note 2 bedacht und somit nicht nur zum besten 96er gekürt, sondern vom Fachblatt gleich sowohl zum "Spieler des Spiels" - Laudatio siehe Untertitel - als auch noch in die "Elf des Tages" berufen.

Um das Kuriose mal zusammenzufassen: der Innenverteidiger auf der Staubsaugerposition macht in echter Torjägermanier den Siegtreffer! Denn anders als bei seinen Toren in Dortmund (letzte Saison beim 2:6 zum zwischenzeitlichen 1:3) und gegen Bayern (vorletzte Saison beim 2:2 zum zwischenzeitlichen 2:0) - außerdem traf er 02/03 noch in Bochum für 96 per Kopf zum 1:0 (Endstand 2:1) - als er den rechten Hammer sprechen ließ, da verpasste er der Kugel diesmal einen eleganten letzten Kick, einen Stups, eben genau das gewisse Etwas, das nötig war, den Ball unhaltbar über die Linie zu bringen. Die anschließende Urschreitherapie vor der Fankurve hatte er sich damit jedenfalls redlich verdient.

Der gute Mensch von Ituano

Mit Mertesacker, Zuraw, Schneider und mir haben wir vier sehr gute Innenverteidiger, alle sind top drauf. Ich habe mit dieser Situation kein Problem.

Sogleich steht also Vinicius Bergantin im Mittelpunkt des Interesses - der Brasilianer mit dem italienischen Pass, der ungefähr so italo-brasilianisch daherkommt wie Darek Zuraw. Zack, also gleich Interview im aktuellen Montags-"Kicker" mit Thiemo Müller. Und der will´s bekanntlich ja wissen: seine eventuelle Versetzung auf die Bank wegen der Rückkehr von Lala und de Guzman, ob es nicht das Beste für die Mannschaft sei, wenn er spiele, die Stammplatz-Garantie von Lienen für Mertesacker, ob Vinnis Kolegialität nicht unprofessionell sei, ob er es dem Trainer damit nicht zu einfach mache etc. pp.

Und was sagt Senhor Bergatin? Lienen will das Beste für die Mannschaft, Per ist einer der besten Verteidiger der Liga, ich gönne ihm alles, ich tue alles, um zu spielen, aber nur mit meiner Arbeit auf dem Platz, nicht mit Worten. Und dann das, was oben zitiert ist, und er schließt: "Der einzige, der ein Problem hat, ist Lienen. Er muss zwei leute aussuchen."

Und was steht dick als Überschrift zu dem Interview? "Vinicius: Der einzige, der ein Problem hat, ist Lienen". Ein Schelm, Herr Müller, der wieder mal Böses dabei denkt...

Thiemo auf dem Holzweg

Und zwar, höhö, nicht auf dem Kötner, sondern auf dem sprichwörtlichen. Obwohl, auf dem Kötnerhölzweg treibt sich der ROB ja gerne mal rum im Mondschein, und im Lichte dieses Erdtrabanten, höhöhö, kann ihm der Herr Sportjournalist ja sowieso schon lange begegnen, und dann könnte man dort, am Kötnerholzweg, ja gewissermaßen, höhöhöhöhö, der Fliege zwei auf die Klappe..., ähh...zwei Fliegen mit einer...stopstopstop: so einen Blödsinn schreiben, das kann der Thiemo Müller schon lange. Und der meint´s dabei noch ernst.

Zum Beweis: das Bonmot aus der Berichterstattung des Gladbach-Spiels, dass wir ihm zuschreiben - klar, es waren noch zwei andere Kollegen dem Spiel zugeteilt, aber er war der einzige von ihnen, der zuletzt über die Roten schreiben durfte - und dass dem geneigten Leser nicht vorenthalten werden soll:

"'Wir haben bewiesen, dass wir doch noch eine Super-Mannschaft sind', frohlockte Steven Cherundolo (26). Woran er als Ersatzkapitän nicht den geringsten Anteil besaß. Ausgerechnet der Sunnyboy aus den USA ergriff das Wort zu einem flammenden Appell unmittelbar nach dem sich die Kabinentür geschlossen hatte." Ist das nicht ein wundersamer Widerspruch? "Nicht den geringsten Anteil" und die Kabinenpredigt, die zum Erfolg führte?

Sicher, nicht den geringsten Anteil kann streng dialektisch heißen, zumindest einen geringen, oder einen mittleren oder einen großen Anteil zu haben. Oder gar keinen. Dadurch würde die Aussage aber völlig unpräzise und wäre damit reichlich sinnlos. Sie hätte allerdings immer noch ein Körnchen mehr Sinn als Deine, Müllers Thiemo, wenn man sie richtig, nämlich semantisch betrachtet, was bedeutet, dass "nicht der geringste Anteil" nicht den geringsten, nämlich überhaupt keinen Anteil meint, was sich wiederum mit der im nächsten Satz zu findenden Aussage so dermaßen widerspricht, dass es nur so kracht. Wenn man es also unbedingt mit der doppelten Verneinung probieren möchte, dann verwende man doch "keinen unerheblichen Anteil", oder eben positiv gesehen "einen erheblichen Anteil" - schon versteht´s jeder richtig.

So, das, Thiemo, wär´s für heut´ mal wieder gewesen, und wenn Du das gar nicht geschrieben hast, trifft´s halt keinen Falschen. Vielleicht schreibst Du Dir dafür folgendes, leicht verändertes Vinicius-Zitat auf: "Was bringt es mir, verbalen Druck auszuüben? Anders in die Öffentlichkeit (eigentlich: ins Team) zu kommen, wäre viel mehr wert. Dann wüsste ich: Ich habe es hundertprozentig verdient..." Am besten hinter die Ohren.

Die Passion Stajni

Herr, vergib´ ihm, denn er weiß nicht, was er tut.
(J. C. zu seinem Vater über diesen Abschnitt)

Wahrlich, Jiri Stajner ist nicht der einzige, der nach einer harten Zeit gegen Gladbach endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis feiern durfte. Neben wir seinen Namensvetter Jiri Kaufman: eigentlich schon abgeschrieben, kämpfte er sich wieder in die Mannschaft zurück, ohne zuletzt zu überzeugen. Er, der nun auch schon seit dem Jahr 2000 die Stiefel für die Roten schnürt - mit Ausnahme eines einjährigen erfolgreichen Intermezzos, bei dem er als Geheimwaffe den Wiederaufstieg von Energie Cotzbus zu verhindern wusste. Der Tscheche, der viel versprechend bei uns begann, dann aber nach einem rüden Foul des damaligen Saarbrückers Dino Toppmöller schwer verletzt lange an seinem Comeback arbeiten musste und dann meist seiner alten Form hinterher lief.

Im Punktspiel auf Schalke durfte er sogar von Beginn an ran - in der von vorn herein als "B-Elf" titulierten Mannschaft aber auch nicht gerade ein Gütesiegel. Ein verkorkster Joker-Einsatz in WOB folgte, doch Lienen brachte ihn erneut in der Halbzeit - und dann diese Szene nach einer Stunde: Kaufman plötzlich ganz frei vor Gladbachs Torwart Keller, er wartet, und wartet, und je mehr er wartet, desto mehr merkt man, dass er das nicht tut, weil er ganz abgezockt ist, sondern weil er Angst vor der eigenen Courage bekommt. Schließlich entschließt er sich für die kurze Ecke - keine schlechte Idee - aber die Ausführung ist zu halbherzig und so prallt die Kugel ans Gestänge. Kaufman ist konsterniert - zunächst.

Aber er ackert weiter, kommt über rechts und spielt den Ball in die Mitte - flach, unplatziert und nicht mal scharf. Doch diesmal gibt ihm Fortuna endlich etwas zurück: der wohl eigentlich adressierte Paunovic hat keine Chance, an den Ball zu gelangen, wohl aber die mindestens drei Gladbacher Abwehrspieler im 16er. Die aber werden von dem krummen Pass übertölpelt oder gehen davon aus, dass jeweils der Kollege für die Bereinigung des harmlos erscheinenden Balles zuständig ist. So kullert die Kugel unbehelligt weiter in den Lauf von Stajner, der mit strammem Schuss für den erlösenden Ausgleichstreffer sorgt - das erste 96-Tor nach über 370 Minuten!

Selbst der allseits geschmähte Veljko Paunovic verbuchte mit seiner Vorarbeit zum Siegtreffer ein Erfolgserlebnis, und Bruder ROD - der wahrscheinlich einzige, der noch an "Pau" glaubt - war sogar der festen Überzeugung, dass er "sein" Tor gemacht hätte, wenn ihn Moore nicht mit einer astreinen Notbremse in der 85.Minute gestoppt hätte (dass diese Aktion nicht mit Rot bestraft wurde, wundert einen nebenbei gesagt langsam auch schon nicht mehr).

Warum also ausgerechnet wieder Stajner, respektive "Passion Stajni"? Tja, da muss man in die Weihnachtszeit zurückgehen, als ROB den ganz persönlichen Adventskalender fürs Vereinsheim zusammenbastelte und sich weitgehend an die Rückennummern hielt. Wer musste also auf die Rückseite des Türchens am Heiligabend geklebt werden? Wer trägt die 24? Schnell wurde das Konterfei des selbstsicher lächelnden Tschechen befestigt und dem Tag entsprechend mit einem Heiligenschein verziert. Geburt, Niedergang, Kreuzigung und Wiederaufstehung in nur drei Monaten - das bringt eben nur Stajni.

Nun wünschen sich inzwischen nicht wenige, er möge denn auch demnächst in den Himmel fahren, aber damit muss man nun auch wieder nicht rechnen - eher, das er mit uns weiter den regelmäßigen Höllenritt vollführt, auch wenn die Fans das immer weniger abfeiern können. Aber wer glaubt schon daran, dass bei Kaufman oder Paunovic alles plötzlich auf wundersameWeise besser laufen wird. Also bleibt´s bei der Passion Stajni, und das wird auch nur geändert, wenn ER wieder das Trikot von Hannover 96 überzieht. Dass allerdings ist mehr als unwahrscheinlich, dass Christ Bongo wieder für die Roten aufläuft...

Der Betze und seine Gesetze

Ich mache nie Kommentare über Schiedsrichter, und diese lebenslange Gewohnheit werde ich für diesen Arsch nicht aufgeben.
(Der englische Trainer Ron Atkinson)

Mit äußerstem Unbehagen denken Anhänger der Roten noch an das Gastspiel auf dem Betzenberg in der vergangenen Saison zurück. Zunächst hatte sich im Vorfeld der Partie unser Spielmacher Jan Simak nach Tschechien verabschiedet, was dann später zum Dauerzustand werden sollte und womit gleichzeitig der Niedergang von 96 einher ging, so dass am Ende die Klasse gerade noch gerettet werden konnte, statt im UEFA-Cup anzutreten.

In der Schlussphase des besagten Spiels mutierte Schiedsrichter Gagelmann zu "Gaga-Mann" ("Bild"-Zeitung), als er beim Stand von 0:0 den Roten erst ein Tor aberkannte (oder hatte er einen Elfer nicht gegeben? Hmmm...). Verbrieft aber ist, dass er dann Klose statt dem eigentlichen Übeltäter Hristov Gelb zeigte, wodurch der Bulgare - er war bereits verwarnt - auf dem Platz blieb und sich dafür in der 92. Minute mit einem Pass auf den deutlich im Abseits stehenden Klose bedankte, der den Ball mit einem Heber dem dabei unglücklich aussehenden Ziegler irgendwie ins Tor mogelte. Und danach war natürlich sofort Schluss...

Doch vor dem Auftritt am Samstag sind wir - wieder - erst mal mit uns selbst beschäftigt. Da zieht sich Mertesacker im Zweikampf mit Wallner (hat der eigentlich schon was Gescheites für uns produziert?) einen erneuten Nasenbeinbruch zu und wird ebenso ausfallen wie beide Spieler für die linke Position in der Viererkette. Michael Tarnat plagt eine Grippe und Sören Halfar fällt mit Innenbandriss aus. Schade vor allem um den Youngster, der in der zweiten Hälfte gegen Gladbach hervorragend agierte und den anderen sogar vormachen musste, dass man im Zweikampf auch mal grätschen oder einen Gegenspieler, der vorbeizieht, auch mal als Zeichen für die Mitstreiter knicken kann.

Somit könnte Vinni in die Innenverteidigung rücken, wenn Lienen das Pärchen mit Zuraw wieder nicht zu "ähnlich" findet. Sonst muss Senhor Bergantin wohl auf die ungeliebte Außenbahn und der wenig Praxis aufweisende Schneider könnte in der Mitte zum Zuge kommen. Aber trotz der Personalprobleme können wir eigentlich ganz gelassen sein, schließlich haben wir mit dem Sieg gegen Gladbach das Abstiegsgespenst nun wirklich gebannt. Und ein Ziel haben wir inzwischen ja auch wieder. Also ganz locker bleiben und immer dran denken: noch acht Endspiele bis zum UI-Cup...

Rote Grüße

ROB

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