Nun ist es amtlich: die Roten können auch ohne ROBs Anwesenheit in der VW-Arena gegen den VfL verlieren. Bei seinen fünf Visiten im Land der Kühe und Schweine hatte er bis dato ja eine lupenreine Bilanz von fünf Niederlagen vorzuweisen. Diese galt es also nun mit diesem finalen Experiment zu durchbrechen, doch vergeblich. So ist er nun "so klug als wie zuvor", wie ja schon der gute, alte Faust in ähnlich verzwickter Situation konstatieren musste.
Auf den Tag genau 28 Jahre nach dem letzten Wunder von Wolfsburg – denn die 96er haben tatsächlich an der Aller schon gewonnen, sogar dreimal, nämlich Ende der Fünfziger in der Oberliga Nord (Saison 1958/59 2:1) sowie in der Zweiten Liga Nord 1974 (4:3) und eben 1977 – bezogen wir eine neuerliche Pleite. Am 12. März 77 behielten wir durch ein Tor von Wunder mit 1:0 die Oberhand, ja, genau, der hieß tatsächlich Wunder, Klaus Wunder, den älteren Herrschaften unter den geneigten Lesern auch als "Cäsar" bekannt. Im selben Jahr verabschiedete sich die Werkself in die Drittklassigkeit, und selbst, als wir, gerade in die Bundesliga aufgestiegen, im DFB-Pokal 1988 beim Amateurligisten eine empfindliche 0:3-Schlappe bezogen (es war ROBs erster Gast-Auftritt im damals noch bespielten Porsche-Stadion), wagten es die anwesenden 96-Fans im Traum nicht daran zu glauben, dass dieses Dorf einmal eine uneinnehmbare Festung für die Roten werden würde, folgten auf die Pokal-Pleite doch noch zwei Remis und vier Niederlagen.
Das wäre das Unentschieden gewesen, wenn wir den dann verwandeln.
(Ewald Lienen nach dem Spiel über den nicht gegebenen Elfmeter in letzter Minute)
Doch so geschah es, und so verloren wir ein weiteres Mal. Obwohl die Hausherren sich so schwach und schlagbar präsentierten wie lange nicht mehr gegen uns auf ihrem Terrain. Schließlich steckte der VfL vor dem Spiel ebenso in der Krise wie wir – doch sie verbuchten das 1:0, das in so einer Situation ganz wichtig ist, auch wenn die Autobauer nicht glauben sollten, mit so einer Vorstellung aus der Krise bereits heraus zu sein. Aber sie machten das Tor des Tages, früh, eingeleitet durch Jiri Stajner (grr!). Nach einer Ecke für uns (grrr!) verlor der Tscheche den Ball beim Nachdenken über eine möglichst geniale Variante eines Abspiels (grrrrrrr!), weil er ihm dabei einfach versprungen ist, anstatt die Kugel zum drei Meter weiter postierten Krupnikovic zu spielen (grrrrrrrrrrrr!).
Petrov nahm ihm darauf die Pille ab, schickte Menseguez steil, der unserem durch den idiotischen Ballverlust überrumpelten Deckungsverbund entwischte und frei vor Enke einschoss. Unser Keeper war sogar noch dran, aber der Ball trudelte doch noch ins Gehäuse – überflüssig zu erwähnen, dass es das erste Bundesligator des Argentiniers in seinem 39. Einsatz war (grrrrrrrrrrrrrrrrr!) und er dabei sogar noch seinen schwächeren linken Fuß benutzte (grrrrrrrrrrrrrrrrrrrr!!!!!!). Das war´s dann auch schon von Wolfsburger Seite: ein glückliches, geschenktes Tor erzielt, ein Treffer, wie ihn jede Mannschaft braucht, die im sportlichen Tief steckt – also auch Hannover 96!
Aber erneut gelang uns wieder keiner, und dass, obwohl die Gastgeber unbeeindruckt von unserem Geschenk die restlichen 84 Minuten über den Platz wankten und förmlich auf den Gnadenstoß warteten. Doch das Glück war mit die Dummen, wie es so heißt. Demnach ist unsere Mannschaft wohl aus lauter Hochbegabten zusammengesetzt, also geistig natürlich, nicht unbedingt fußballerisch. Das bewies vor allem Stajni – als wenn es dieses Beweises noch bedurft hätte. Denn nach seiner ersten Aktion, die ja gleich gewaltig in die Hose ging weil zum Gegentreffer führte, war ja eigentlich klar, dass dem Tschechen nichts mehr gelingen würde. Jiri unterstrich diese These dick durch das Versieben zweier großer Torgelegenheiten in jeder Halbzeit. Dabei glaubte er im ersten Durchgang, eine perfekt getimte Flanke aus fünf Metern Entfernung mit dem Kopf noch heben zu müssen. Das Resultat: der Ball ging drüber. Ach nee! Und nebenbei hatte er natürlich auch wieder eine hübsche Sturzeinlage mit Ball am Fuß...
Dazu landeten zwei zu platzierte Schüsse von Steven Cherundolo noch jeweils am Querbalken, der eingewechselte (!) Paunovic köpfte – zugegebenermaßen bedrängt – aus etwa sieben Metern an die Eckfahne und de Guzman versemmelte einen Distanzschuss kurz vor Schluss und verdeutlichte einmal mehr, dass er seit seiner Vertragsunterschrift bei Deportivo nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Garniert wurde das Ganze noch mit einem vom Schiedsrichter übersehenen Handspiel der Wolfsburger im eigenen 16er in der Schlussminute – was soll man noch mehr sagen? Fortuna, die alte Metze, hatte bereits ihr Füllhorn mit tatkräftiger Unterstützung ihres Assistenten Jiri über dem blinden Menseguez ausgeschüttet, statt dem viel länger wartenden Altin endlich zu seinem ersten Treffer per Kopfballtorpedo zu verhelfen. Und wo sie schon mal dabei war, lenkte sie halt auch noch Stevens Bälle ans Gebälk und verschleierte dem Schiri noch den Blick für regelkonformen Fußball – bei Guzzy, Pau und Stajni hingegen wusste sie, dass sie nicht einzugreifen brauchte.
Immerhin löste sich die Aufregung über die wiederholte Nichtberücksichtigung von Thomas Christiansen in Rauch auf, als sich hinterher herausstellte, dass der Spanier wegen Rückenbeschwerden gar nicht einsatzfähig war. Die Einwechslung Thomas Schneiders kurz vor Schluss für Lala war also doch nicht als brutale Demütigung für den TORero gedacht. Bleibt aber immer noch die Frage: hat sich Lienen überhaupt etwas gedacht, als er einen Verteidiger für einen Mittelfeldspieler in der Schlussphase einwechselte? Und hätte Schneider, der sowieso nicht so oft zum Einsatz kommt, nicht wenigstens einfach auf den Rasen gehen können und Schnoor, den alten Klopper, vom Platz prügeln können – der hätte zu dem Zeitpunkt sowieso schon wieder mal nicht mehr dabei sein dürfen, aber nach seinem zwar von der TV-Kamera verfolgten, aber rätselhafter Weise ungeahndeten Tritt gegen Lauterns Altintop darf er sich wahrscheinlich noch mehr rausnehmen als ohnehin schon.
Die erneuten "Lienen-raus"-Rufe verdeutlichten dennoch, dass das Verhältnis der Anhänger zum Trainer immer gespannter wird. Ewald ließ sich nach dem Spiel dazu nicht aus der Reserve locken. Man weiß aber, dass er so etwas nicht vergisst. Ilja Kaenzig beschwerte sich über die Unmutsäußerungen der Fans, während Martin Kind trotz des unglücklichen Spielverlaufs eine klare Leistungssteigerung der Mannschaft gesehen hatte. Das Triumvirat präsentiert also trotz der weiteren Schlappe Ruhe und Geschlossenheit nach außen. Fortsetzung folgt nächste Woche...
Dass wir zur kommenden Saison den Ausrüster wechseln, ist ja schon länger bekannt. Der italienische Sportartikelhersteller Diadora hat Hannover 96 wohl ein deutlich besseres Angebot gemacht als unser aktueller Partner Uhlsport. Dessen Trikots waren bzw. sind zwar in jedem Fall sehenswerter als seinerzeit etwa die der Marke "Globetrotter", der absolute Hammer waren/sind sie aber auch nicht.
Dafür also hat nun der Ausrüster aus dem Modeland Italien die kreative Leitung, womit wir trikottechnisch auf dem neuesten Stand des Chic logieren dürften. Dazu gehört natürlich vor allem dieser spezielle Stoff, der so zugeschnitten ist, dass er fast wie eine zweite Haut sitzt, was bei Hannover 96 eine ganz neue Erfahrung ist. Interessant dürfte es da etwa werden, zum Trainingsauftakt Stajni zu beobachten und anhand der Anzahl der Körperringe seinen sommerlichen Staropramen-Konsum einzuschätzen. Und auch dem naturgemäß zur Beleibtheit neigenden Fan verleiht die neue Kluft beim Gang zum Kiosk einen Hauch von Catwalk – die T-Shirts mit dem Aufdruck "Bier formte diesen (schönen) Körper" können dann jedenfalls in die Altkleidersammlung, denn dieses Shirt bedarf keiner Worte mehr.
Letzte Woche nun verlautbarte Diadora, dass das erste Trikot in rot gehalten sein wird, was keine wirkliche Überraschung ist, und das zweite in – schwarz-weiß-grün! Das klingt beim ersten Mal nicht übel, wirft aber natürlich doch Fragen auf: denn, wenn das "Trikot" in diesen gleich drei Farben gestaltet sein wird, droht ja wieder so ein buntes Kuddelmuddel mit hier noch einem Streifen und da usw. Vielleicht ist mit "Trikot" ja aber auch der ganze Satz gemeint, was dann schon wieder interessanter aussehen könnte. Allerdings dürfte Sponsor TUI etwas gegen ein schwarzes Trikot mit ihrem roten Logo darauf haben. Überhaupt: dieses stilisierte Hammer und Sichel des Reiseveranstalters macht sowieso die besten Kreationen zunichte. Etwa diesen aus ROB Lagerfelds Schublade: ein schneeweißes Hemd mit einem schwarzen und einem grünen Brustring und in der Mitte das 96-Logo (so ein bisschen abgekupfert von des Verfassers Plymouth Argyle-Jersey aus den 50ern, nur dass da ein Schiff im Wappen in der Mitte des Hemdes prangt). Oh, wie wär´ das schön...? Aber wohin dann mit der roten TUI-Fratze? Häh? Tja, also nicht.
Aber wichtig wäre ohnehin ja nur, dass mal wieder eine schlichte Farbgebung ohne viele Applikationen oder wie sich das nennt angewendet würde. Vielleicht einfach nur ein schlichtes Weiß mit roter Fratze, schwarze Hose und grüne Stutzen (wie der spanische Club Racing Santander bisweilen aufläuft)? Oder einfach wie früher schlicht grünes Leibchen (weiße Fratze), schwarze Hose, weiße Stutzen. Na, mal abwarten – mit der Farbgebung beweisen italienische Firmen ja meist ganz guten Geschmack, auch wenn die momentan etwa vom AS Rom getragenen Diadora-Shirts etwas seltsame kleine Kreise im Schulterbereich, die so nach Design der 70er Jahre aussehen, zieren. Aber positiv ist doch zu bewerten, dass die unsere Vereinsfarben kennen – die kennt ja manches Mitglied nicht oder will sie los werden. Okay, das ominöse blaue Auswärtstrikot geht ja auch nicht auf Uhlsport, sondern wieder mal auf TUI zurück. Hoffen wir eben, dass italienisches Mode- und Traditionsbewusstsein sich nicht vom Sponsor belabern lässt, auf dass Trikots dabei herauskommen, für die man dann gerne ja immerhin so 60,- Öre das Stück auf den Tisch legen muss. In diesem Sinne: Allora, Diadora!
Dass muss man dann gerade vor diesem Hintergrund doch wohl als Nachtreten empfinden. Also, dass da in der Zeitung steht, die Ausrüsterfirma Uhlsport habe für Ostersonnabend ein Freundschaftsspiel zwischen Hannover 96 und dem 1.FC Magdeburg vereinbart. "Freundschaftsspiel"? 96 und der FCM? Die wollten uns wohl nochmal richtig eins auswischen für den Wechsel zu Diadora. Schön, das Spiel findet ja nicht in Magdeburg statt – aber ist Oschersleben als Austragungsort besser? Warum nicht gleich Olvenstedt!? An Himmelfahrt!!? Also: Mundschutz nicht vergessen! Und immer der blau-gelben Karawane folgen...
Nach dem Realitätsschock vom Rostock-Spiel konstatierte Ewald Lienen nach dem WOB-Spiel ja nun diese, eben Ergebniskrise. Dreimal hintereinander 0:1, davor ein 1:4 – na ja, vorletzte Saison sind wir auch gleich mit vier Niederlagen gestartet. Und, hat´s uns geschadet? Und in der letzten Spielzeit kassierten wir zwischenzeitlich auch vier Niederlagen (eine bereits mit dem neuen Trainer) und danach zwei Unentschieden. Und überhaupt: es gibt Mannschaften, die stehen momentan noch schlechter da. Etwa der Nord-Oberligist SV Arminia, der gerade sechs Niederlagen am Stück eingefahren hat bei 1:19 Toren. Oder die Auswahl der Pazifik-Insel Guam, die in der Qualifikation zur Ostasien-Meisterschaft mit immerhin illustren Gegnern wie Nordkorea, der Mongolei, Hongkong und Taiwan mit vier Niederlagen am Stück – also so wie 96 – einen klassischen Fehlstart hingelegt hat, dabei aber ein viel schlechteres Torverhältnis als die Roten aufweist, nämlich 1:49. Gut, wird der Leser wissend sagen, und auf dem Mars ist gar kein Leben möglich...
Doch genug gespottet – die Lage ist ernst genug. Sagen wir mal so: mit 32 Punkten steigt man ab! Seit Einführung der Drei-Punkte-Regelung hat diese Anzahl von Zählern nur ein Mal zum Klassenverbleib gereicht. Nun ist es natürlich gut möglich, dass diese Saison die Absteiger noch schlechter sind als damals. Und Hansa Rostock, die momentan gefährlichste Elf der Abstiegsplätze, hat ein verdammt schweres Restprogramm. Aber sollten sie ihren Lauf fortsetzen und die augenblicklich sieben Punkte Rückstand zum rettenden Ufer in Angriff nehmen, dann werden auch wir noch wieder ins Schwitzen kommen. Einen Anfang haben wir ja vorletzten Samstag für die Hanseaten selbst schon gemacht.
Über den UI-Cup sollte man jedenfalls bei 96 wirklich keinen Gedanken mehr verschwenden. In der augenblicklichen Verfassung ist selbst der Strohhalm-Pokal in weiter Ferne. Stattdessen sollten wir jetzt mal möglichst schnell mal wieder ein oder zwei Tore reinstolpern – die Zeit, dass wir mal wieder Glück haben, ist nun wirklich überreif. Und ausgerechnet jetzt haben wir einige Ausfälle zu beklagen: mit Lala und de Guzman (gesperrt) und dem angeschlagenen Dabrowski könnte am Samstag die komplette defensive Mittelfeldreihe ausfallen, Christiansen und Stendel dürften für den Sturm nicht rechtzeitig fit werden.
Und so prognostiziert der Kicker, dass Vinicius als alleiniger Abräumer vor der Abwehr starten wird und der genesene Schröter sowie But – den gibt´s auch noch – auf den Seiten spielen werden, während sich im Sturm bei Anpfiff Paunovic und Kaufman tummeln werden. Man könnte fast kichern, wenn´s nicht so traurig wäre.
Die "Neue Presse" hingegen stellte bereits am Montag fest, dass der kommende Kontrahent Gladbach noch kein Auswärtsspiel in dieser Saison gewonnen habe und "damit am Sonnabend für 96 der perfekte Gegner sein müsste". Wie man so was selbst noch im Konjunktiv behaupten kann? Mit diesen Vorzeichen sind wir doch der perfekte Gegner für die. Und die haben auch einen, der ganz lange nicht mehr getroffen hat, nämlich Oliver Neuville, der für seine bisher neun Tore ganze dreizehn Spiele benötigte und seitdem die Flaute hat – schon weit über tausend Minuten.
Also, Freunde, wenn da nicht was im Busch ist: fünf Heimniederlagen und fünf Pleiten überhaupt hintereinander würden obendrein jeweils neuen Vereinsrekord in der Bundesliga für die Roten bedeuten. Und das, wo wir in der Hinrunde erst fünf Siege in Serie als Rekord hingelegt haben – unsere Helden sind gerade dabei, eine weitere und völlig neue Facette des Wahnsinns mit Namen Hannover 96 zu präsentieren. Und das, ohne wirklich in Abstiegsgefahr zu schweben! Darüber darf man nicht zu lange nachdenken, sonst kommt man direkt in die Wahrendorffschen Anstalten, oder hier in Berlin eben in die Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik, die der Einheimische ja gewohnt urig "Bonny´s Ranch" nennen tut.
Aber wahrscheinlich kommt am Samstag alles anders, so wie es noch nie war in der Bundesliga zwischen Hannover 96 und Borussia Mönchengladbach, bei denen sich derzeit Pech und Unvermögen die Klinke in die Hand geben. Es wird sogar mit großer Wahrscheinlichkeit ein historisches Datum werden, bedenkt man nur die größtenteils dürftigen Vorstellungen beider Teams seit dem Ende der Winterpause. So wird auch Samstag nicht wirklich ein Spiel auf hohem Niveau zu erwarten sein, womit ja alle Fakten zu diesem Aufeinandertreffen geradezu schreien nach diesem bisher einmaligen, noch nie da gewesenen Moment, der in die Ewigkeit eingehen könnte und dessen Einmaligkeit man ganz nüchtern und sachlich, wie es im Sport nun mal Usus ist, anschließend kurz und knapp wie folgt zusammenfasst: 0:0.
Rote Grüße
ROB