ROBs Gedanken

79. Ausgabe
22. / 23. Spieltag 2005

Lizenzentzug!

Wir haben Fehler gemacht, die wir sonst nie machen.
(Werder-Sportdirektor Klaus Allofs)

Leider hat er das aber erst Mittwochabend nach dem Spiel seiner Fischköpfe in der Champions League gegen Olympique Lyonnais gesagt. Und leider haben die Bremer diese Fehler nicht am letzten Samstag gemacht, sondern die Roten. Wobei es sich bei unseren Fehlern natürlich nicht um solche handelte, die wir nie machen, sondern den Anhängern von Hannover 96 durchaus bekannt vorkommen, wenn sie auch in letzter Zeit nicht allzu oft in Erscheinung traten.

Was sich aber am vergangenen Wochenende im WM Stadion 2006 Hannover zutrug, hatte fast nichts mit Fußball zu tun. Zumindest von Seiten unserer 96er. So schnell lagen wir zuhause wohl jedenfalls seit dem Spiel gegen Borussia Dortmund 1988/89 (Endstand 1:5) nicht mehr 0:2 hinten – die Abwehr präsentierte sich so indisponiert wie zu schlimmsten Rangnick-Zeiten. Gegen Leverkusen und Dortmund hatte es immerhin noch eine halbe Stunde gedauert. Bezeichnend, dass sich beim 0:1 niemand im 16er fand, der den harmlosen Hoppelball von Magnin aus der Gefahrenzone gedroschen hätte – peinlich.

Beim 0:2 zeigte sich einmal, dass die Deckung die Umstellung auf Dreierkette offensichtlich noch nicht verinnerlicht hatte, und es zeigte sich einmal mehr, dass Dariusz Zuraw das Stellungsspiel komplett verlernt zu haben scheint, sprang er doch wie schon in den letzten Partien zum wiederholten Male unter einer Flanke durch, wodurch Borowski der Nutznießer wurde. Glück für uns, dass ein weiterer Treffer des Bremers in der Anfangsphase – erneut begünstigt durch Zuordnungsprobleme auf unserer linken Abwehrseite – vom Schiedsrichter nicht gegeben wurde, sonst hätte es ein Armageddon für uns werden können.

Überhaupt kam 96 danach nur ins Spiel, weil Werder es plötzlich recht locker und arrogant angehen ließ. Der Anschlusstreffer kurz vor dem Wechsel deshalb durchaus folgerichtig – wie die NP im Übrigen vorrechnete, war´s der erste Torerfolg im 74. Versuch nach einem Eckball, womit Krupi der "erfolgloseste Eckenschütze der Liga" ist - als wenn wir es nicht schon geahnt hätten.

Im weiteren Verlauf konnten die Unsrigen das Spiel weiter offen gestalten, der Ausgleichstreffer schien durchaus im Bereich des Möglichen, bis ein weiterer Riesenfehler die Vorentscheidung zu Gunsten Bremens brachte. Dabei war es gar nicht mal so schlimm, wie Zuraw sich im 16er von Ernst vernatzen ließ, sondern wie der Pole im Mittelfeld zuvor bereits den Ex-96er quasi auf dessen Weg begleitete. Er hätte sogar ohne Foul den Ball abgrätschen können, aber er zog es vor, so lange neben Ernst herzulaufen, bis der den Ball abgespielt hatte. Bereits da hatte ROB Böses geahnt und Darek über den Bildschirm zugebrüllt, er möge seinen Kontrahenten doch wenigstens umhauen – nichts. Ernst spielt ab, ein Kameraschnitt später hat er die Kugel schon wieder bei sich und dann ist Zuraw auch wirklich ein bis zwei Schritte zu spät, der Rest Formsache.

Zum Kotzen, da hätte ROB den Fernseher am liebsten aus dem Fenster geworfen, aber das Niedersachsenstadion liegt ja leider im Souterrain und somit hätte er das TV-Gerät hoch schleudern müssen, wobei er wahrscheinlich hintenüber gekippt wäre etc. pp. Jedenfalls wollte er auch keinen der anwesenden, kräftigen Herren von Waspo Linden um Hilfestellung bitten, obwohl die das bestimmt mit einer Hand gekonnt hätten...

Wie dem auch sei, so durften alle noch mal vor dem vierten Gegentreffer des Tages begutachten, wie Zuraw den eingewechselten Zidan bis in unseren Strafraum patrouillierte, wo er sich dann vom Ägypter zum Dank die Eselsmütze aufsetzen ließ und der dann auch noch Enke düpieren konnte – das war´s. Zuraw war also an allen Toren des Tages beteiligt, am ersten noch am wenigsten, aber auch da hätte ER ja derjenige sein können, der den harmlosen Ball auf das Tribünendach bolzt.

Jawohl, Lizenzentzug!

Die Mannschaft hat heute wesentlich besser Fußball gespielt als zuletzt. (Ewald Lienen nach dem Spiel gegen Bremen)

54 % Spielanteile, 53 % gewonnene Zweikämpfe, 14:13 Torschüsse, 6:5 Ecken – gut, mit solchen Daten (präsentiert von der NP) kann man ein Spiel auch verlieren. Beängstigend bloß, dass die Formkurve gerade zuhause immer weiter in den Keller geht: vier Heimniederlagen in Folge gab´s zuletzt vor sechzehn Jahren unter Trainer Reinhard Saftig! Nach der Winterpause klingelte es in drei Heimspielen doppelt so oft bei 96 im Kasten wie in der gesamten Hinrunde zuhause. Noch nie gab es sogar drei Heimspiele in Folge mit mindestens drei Stück für uns. Das sind erschreckende Zahlen, die Bilanz eines Absteigers, möchte man meinen, wenn wir nicht schon unser Schäfchen im Trockenen hätten.

Der einzig unerwähnte Part der Statistik vom letzten Samstag verdeutlicht allerdings, woran es gelegen hat: 10:22 waren die Roten in der Bilanz der Fouls unterlegen! Und so konnten Micoud, Borowski und Ernst ein ums andere Mal ungestört ihre Kreise ziehen, wo man mit Einsatz und Kampf zumindest ein Zeichen gegen die gewiss nicht übermächtigen Gäste hätte setzen können. Wenn deren Anhänger dann noch unser Stadion einnebeln, dann muss man doch auch von der eigenen Mannschaft erwarten, dass sie erst recht ein paar Schippen drauf legt.

Nein, das war erbärmlich und beängstigend, mit ganz wenigen Abstrichen war das bei weitem nicht erstligatauglich und nicht mehr nachvollziehbar. Ein Systemwechsel muss die Mannschaft nicht so aus der Bahn werfen – erinnern wir uns: am 29. Spieltag stellte Ewald Lienen vor dem Spiel in Bremen ebenfalls auf Dreierkette um (Cherundolo, Mertesacker, Zuraw) und spielte mit vier Mittelfeldspielern (darunter Lala, Dabrowski und de Guzman) und drei Stürmern. Es war ein fürchterlich unansehnliches Spiel, aber wir haben gekämpft und dem designierten Meister ein 0:0 abgetrotzt – ein absolut positives Signal auf der Zielgeraden der Saison.

Damals ermauerte sich 96 seinen 33. Punkt, der nach diesem 22. Spieltag auch drin gewesen wäre. Man kann immer mal schlecht spielen, wer wüsste das nicht besser als die Fans der Roten, man kann auch immer mal in Serie schlecht spielen, aber wenn man nicht kämpft und die Grundbedingungen der Sportart nicht erfüllt, dann stimmt es irgendwo nicht – fragt sich nur wo. Schließlich hatten wir vor der Winterpause einen Idealzustand erreicht, da fällt es schwer, gute Gründe für den derzeitigen Niedergang zu finden.

Auch der Trainer gerät wieder unnötig in die Kritik, sind doch die Einsätze seines Wunschspielers Paunovic bisher offensichtlich fruchtlos, die gleichzeitige Degradierung, ja beinahe schon Demontage Christiansens einfach total daneben. Man fragt sich, wo plötzlich solche Missstimmungen herkommen, und vor allem, wo sie noch hinführen. Krupi ist trotz gegenteiliger Behauptung durch seinen idiotischen Vertragspoker gehandicapt, den sein Berater Ramadani mit Herrn Kaenzig auf dem Niveau von Armdrücken durchzieht. De Guzman ist seit seiner Unterschrift bei Deportivo nur noch ein Schatten seiner Selbst, so dass man ihm eine schöpferische Pause zu Gunsten Dabrowskis wünschen möchte – wer hätte das jemals gedacht? Alle Hoffnungen auf den noch nicht hundertprozentig fitten Schröter zu setzen, entspricht der derzeitigen Kopflosigkeit.

Doch wie gesagt: kämpfen kann man immer, das kann man als Fan auch immer von seiner Mannschaft erwarten, gerade wenn es sich auch noch um ein Nachbarschaftsderby handelt. Die Situation am Sonnabend erinnerte ROB streckenweise fatal an das Pokal-Aus vergangene Saison in der verbotenen Stadt. Im darauf folgenden Spiel in Köln ließen die Fans die Roten zum ersten Mal deutlich spüren, dass sie es sich verscherzt haben bei ihnen. Das Spiel wurde dann glücklich gewonnen, aber darum ging es gar nicht so sehr, sondern dass die 96er gerannt sind wie die Hasen – gut, manchmal auch durcheinander – aber sie sind neunzig Minuten gerannt. Deswegen sollte man sich mal überlegen, ob es nicht an der Zeit ist, die Mannschaft mal wieder abzustrafen.

Womit? Na, ist doch klar: mit Lizenzentzug! Schließlich kann die Mannschaft ruhig wissen, dass man mit der Leistung nicht einverstanden ist, und das geht immer noch am besten mit einem Lizenzentzug, natürlich erst mal einem vorübergehenden Lizenzent...ähh, Liz...Lie...Liebesentzug, Liebesentzug natürlich, muss es heißen, Liebesentzug, ähem, ja, verdammt noch mal...

Double Impact

Keine Ahnung.
(E. Lienen auf die Frage, wie 96 mit einer solchen Leistung in Schalke bestehen soll)

Das hat´s ja wohl auch noch nie gegeben, dass Hannover 96 binnen 48 Stunden auf denselben Gegner einmal in der Liga und einmal im Pokal trifft. Vor zwei Jahren mussten wir ja binnen zehn Tagen zweimal bei Bayern München antreten (3:3 in der Liga, 1:2 im Cup), aber da lag ja noch ein weiteres Punktspiel dazwischen.

Dennoch gab es das zumindest schon zweimal, dass die Roten auf ein und denselben Gegner hintereinander treffen. Das war allerdings noch zu den Zeiten, als ein "enger Terminkalender" noch nicht zum Sprachrepertoire der Fußballkenner zählte und der DFB-Pokal den Verantwortlichen noch so viel wert war, dass dessen K. O.-Spiele auch an den Wochenenden ausgetragen wurden, sodass zwischen den Begegnungen eine komfortable Woche lag. Komfortabel in unseren Fällen vor allem für die Roten, waren sie doch beide Male die Gastgeber.

Die Saison 94/95: wenig viel versprechend hatte die Saison für Hannover 96 begonnen. Zum Auftakt war noch ein 1:0 gegen den SV Meppen gelungen, dann aber folgten Schlappen in Leipzig (beim VfB 1:3) und zuhause gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf (0:3). Darauf tat 96-Trainer Rolf Schafstall den ersten Schritt in Richtung Entlassung: am vierten Spieltag setzte er beim Chemnitzer FC Legende Jörg Sievers auf die Bank und begann mit einem gewissen Carsten Eisenmenger zwischen den Pfosten. Immerhin sprang ein 1:1 trotz einer frühen Gelb-Roten Karte gegen Matthias Weise bei den Sachsen heraus. Daher setzte Schafstall auch im Zweitrundenspiel des DFB-Pokals – in der ersten hatten die 96er bei Preußen Münster mit 5:0 gewonnen – auf den eigentlich zweiten Mann im Tor.

Der 1.FC Saarbrücken - Partner im damaligen "Doppelpack" - beendete dann allerdings am 11. September 1994 die Träume der ehemaligen Pokalhelden, als er durch Tore eines gewissen Falko Götz und von Thorsten Schmugge mit 2:0 an der Leine siegreich blieb. Die ebenfalls schwach in die Spielzeit gestarteten Saarländer waren auch eine Woche später im Punktspiel nicht von den Roten um Harttgen, Studer, Schlotterbeck & Co. zu bezwingen, obwohl der Trainer nun wieder mit Sievers im Tor begann und den im Pokalspiel schwachen Roger Prinzen, Lothar Sippel und Torsten Gütschow zunächst eine Denkpause erteilte. In einer trostlosen Begegnung blieb es am Ende beim torlosen Unentschieden, Trainer Schafstall wurde einen guten Monat später entlassen. Sein Nachfolger wurde Peter Neururer, zuvor war ein Interimstrainer für eine Woche bei 96 eingesprungen. Sein Name: Stefan Mertesacker, Vater des 10jährigen Per...

Saison 1981/82: mit den Offenbacher Kickers bekamen die Roten zwar einen gleichklassigen Gegner in der ersten Pokalrunde zugelost, die Hessen galten aber als heißer Aufstiegskandidat und unterstrichen ihre Ambitionen mit einem erfolgreichen Start – in den ersten sechs Spielen verbuchte der OFC vier Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage. 96 präsentierte sich dagegen zu Beginn der Spielzeit durchwachsen, aber immerhin mit einer ausgeprägten Heimserie: gegen den SC Freiburg (2:0), Rot-Weiß Essen (3:0) und Bayer 05 Uerdingen (1:0) blieb die Weste im Niedersachsenstadion blütenweiß, während es bei Hessen Kassel, den Stuttgarter Kickers und Wattenscheid 09 drei Niederlagen setzte.

Die Heimstärke der Roten sollte sich dann jedenfalls auch gegen die Elf vom Bieberer Berg, die unter anderem mit Michael Kutzop und Uwe Bein auflief, durchsetzen: bestens eingestellt präsentierte sich die Mannschaft von Trainer Diethelm Ferner am 29. August gegen die offenbar zu selbstsicheren Gäste, die zur Halbzeit des DFB-Pokalspiels bereits mit 1:4 ins Hintertreffen geraten waren. Im zweiten Durchgang brachte 96 das Spiel dann sicher nach Hause und qualifizierte sich mit dem 5:1-Sieg letztlich souverän für die zweite Runde. Nur eine Woche später hatten sich die Offenbacher im Punktspiel besser eingestellt, dennoch standen sie am Ende mit leeren Händen da, da die Rynio, Bebensee, Winskowsky & Co. durch ein Schatzschneider-Tor nach 68 Minuten mit 1:0 erneut siegreich blieben. Die Kickers belegten am Ende der Saison Rang drei und scheiterten dann an Leverkusen in der Relegation, Hannover 96 belegte Platz fünf und strich – nachdem zuvor noch Wattenscheid und Osnabrück ausgeschaltet worden waren – erst im Achtelfinale des Pokals gegen den 1.FC Nürnberg mit 1:3 die Segel.

Doppelt hält besser

1981 mit von der Partie war im Übrigen auch Gerhard Kleppinger (79 Zweitligaspiele und 16 Tore, 8 Pokalspiele und 5 Tore für Hannover 96), der kommenden Dienstag, also dem Tag unseres Pokal-Auftritts in Gelsenkirchen, seinen 47. Geburtstag begeht. Allerdings hat "Kleppo", der alte Wandervogel, ja auch für die Königsblauen die Töppen geschnürt, daher kann diese Tatsache nicht ohne beträchtlichen Realitätsverlust als positiv für 96 gewertet werden. Aber da wäre ja auch noch Michael Lorkowski: unser Pokalsieg-Trainer und Held von ´92 wird diesen Samstag runde 50 Jahre alt. Alles Gute also, Kleppo und Locke, zusammen müsste es dann doch reichen für den Doppel-Triumph in 48 Stunden...

Do it like Donezk!

Wir werden auf jeden Fall antreten.
(E. Lienen in der Fortsetzung seiner Antwort auf die obige Frage)

Bliebe noch zu erwähnen, dass 96 und Schalke noch nie in Gelsenkirchen im Pokal aufeinander getroffen sind, aber zweimal in Hannover: am 27. Oktober 1935 waren die 96er dem Schalker Kreisel hoffnungslos unterlegen – drei Jahre später wurden die 04er ja dann im Meisterschaftsfinale bezwungen – und bezogen in der dritten Hauptrunde eine deftige 2:6-Niederlage. In derselben Runde, nur knapp 50 Jahre später, begegneten sich beide Teams am 22. Dezember 1984 wieder. Es handelte sich dabei um das Achtelfinale des Wettbewerbs, in dem die Roten mit 1:0 die Oberhand behielten (das Aus dann im Viertelfinale: 0-1 in – Saarbrücken!).

Doch konzentrieren wir uns erst einmal auf das Punktspiel – auch wenn das etwas schwer fällt, wenn im Vorfeld von allen Seiten erklärt wird, also auch vom Trainer, dass das Pokalspiel eindeutig Priorität besitzt. So werden dann wohl am Sonntag auch die nicht ganz fitten vermeintlichen Trümpfe wie Tarnat, Mertesacker oder Schröter nicht aufgestellt werden. Sollte etwa z. B. der verprellte Christiansen von Beginn an dabei sein, könnte das also eher als Beweis dafür gewertet werden, dass der TORero bei uns keine richtige Zukunft mehr hat. So kompliziert ist bisweilen der Fußball.

Sollte das Unternehmen Punktspiel dann aber tatsächlich in die Hose gehen, wäre schon wieder das Streichholz unnötig an die Lunte gelegt – die vielen Fans, die mitreisen werden, könnte man dann tatsächlich nur mit einem Weiterkommen im DFB-Pokal besänftigen, denn die Treuesten der Treuen werden die etwa 240 Kilometer zwischen Hannover und Gelsenkirchen in zwei Tagen viermal bewältigen müssen, während die Mannschaft gleich vor Ort bleibt.

Ein ordentliches Programm hat aber vor allem S04 derzeit zu bewältigen: drei Spiele binnen sechs Tagen sind ein ganz schöner Korken, und alle wichtig - und das erste bereits in den Sand gesetzt: beim 0:1 gegen Schachtjor Donezk wirkte Schalke recht ideenlos und verscherzte sich sehr wichtige zusätzliche Einnahmen aus dem internationalen Geschäft. Denn nachdem Dortmunds schlechte Zahlen zu spät für 96 herauskamen und der BVB erst nach dem 3:1 in Hannover durch die erheblich negativen Botschaften belastet mit 0:5 in München verlor, gerät nun auch Schalke 04 in den dringenden Verdacht, sich finanziell zu übernehmen. Bis spätestens nächsten Dienstag werden die roten Zahlen aber leider wohl nicht aufgedeckt werden, so dass wir wieder mal auf diesen Faktor nicht zu bauen brauchen.

Jedenfalls schätzt der "Kicker", dass die beiden Erzrivalen aus dem Revier zusammen etwa 250 Millionen Euro Schulden auf die Waage bringen. In einem Interview mit "Focus Money" erklärte der Wirtschaftsprofessor Karlheinz Küting (Universität des Saarlandes) dem Sportmagazin zu Folge die Situation bei den Königsblauen als "katastrophaler als bei Dortmund", attestierte "ausufernde Schulden und Tricksereien", "bilanzielle Überschuldung", "verheerende Eigenkapitalsituation" und was sonst noch alles heutzutage wichtig ist im Fußballsport und kommt zu dem Schluss, der Schalker Karren sei "fast an die Wand gefahren". Auch wenn das mit "Focus" und den "Fakten" so eine Sache ist: beobachtet man die Assauersche Ausgabepolitik, kann man sich nur allzu leicht vorstellen, dass Schalke im Fall ausbleibenden Erfolgs endgültig mit dem Allerwertesten an der Wand steht. Dies bestätigte auch schon Schalkes Finanzchef, der auf den schönen Namen Josef Schnusenberg hört.

Mit dem Aus gegen Donezk ist also ein erster Schritt in die falsche Richtung getan, allerdings dürfte der internationale Wettbewerb für "Blau und Weiß" über die Bundesliga auf jeden Fall drin sein. Am Schalker Markt wird daher das Punktspiel gegen 96 wohl wichtiger eingeschätzt werden, wenn auch weitere Pokalspiele besonders über die TV-Einnahmen noch Geld in die Kasse bringen.

Auf Seiten der Roten wurde dagegen diese Woche ja schon wieder vom UEFA-Cup gesprochen – nicht mehr, wie vergangene Woche noch vor der Niederlage gegen Bremen, vom UI-Cup. Das klingt allerdings zunächst weit größenwahnsinniger, als es ist, denn diese Zielsetzung hat nur mit dem DFB-Pokal zu tun. Der nun wirklich alles andere als übergeschnappte Robert Enke rechnet vor: "Schon mit einer Finalteilnahme gegen Bayern oder Werder könnten wir im UEFA-Cup sein". Irgendwie scheint unser Keeper aber doch bereits leicht vom 96-Bazillus befallen zu sein, denn selbst wenn wir in Schalke gewinnen, kommt uns nach Adam Riese noch das Halbfinale dazwischen, in dem wir auch gut und gerne in München oder Bremen anzutreten haben könnten – bei unserem Los-Glück. Und was dann? Mal ganz zu schweigen davon, dass UEFA-Cup-Teilnahmen für europäische Greenhorns ja oft böse Folgen in der Liga haben – aber an so etwas wollen wir wirklich nicht schon denken.

Völlig unverständlich jedenfalls Enkes Ausführung über das "Doppel-Spiel": "Wenn eine gute Fee käme und ich dürfte mir wünschen, welche Partie auf Schalke wir gewinnen, würde ich das Pokalspiel wählen". Dabei kann die Antwort doch nur lauten: "Blöde Frage: natürlich beide!" – schließlich hat man bei Feen doch immer drei Wünsche frei, oder? "Und was wird dann aus dem dritten Wunsch?", wird die Fee dann neunmalklug fragen. "Da reden wir dann vorm Halbfinale noch mal drüber – wenn´s aber nicht klappt, habe ich schon den finalen Wunsch parat: dann kannste schon mal Klamotten packen für die Inseln, wo der Pfeffer wächst..."

Angesichts dieser ungeheuerlichen Drohung wird sich die Fee dann ganz besonders Mühe geben und sämtliche Mittel (Flüche, Schwüre, Zaubersprüche, Café King...) ausschöpfen – es wird also schon schief gehen. Darauf einen doppelten Donezk, beim Schachtjor...!

Rote Grüße

ROB

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