Ich hatte nicht den Eindruck, dass wir in Freiburg unbedingt gewinnen wollten.
(96-Präsident Martin Kind nach dem Spiel)
Das war, so der "Kicker" nach dem Spiel, was 96 in Freiburg wollte und bekam. Und SC-Spieler Zlatan Bajramovic, der pikanterweise vor der Partie noch mit den Roten in Verbindung gebracht worden war als Ersatz für Julian de Guzman in der kommenden Spielzeit, hatte offensichtlich seine Lust auf Hannover schon verloren, bevor das Ganze überhaupt nur ein bisschen konkret wurde: "Eine so destruktive Mannschaft habe ich noch nie gesehen", mokierte sich der Bosnier, "die möchten wohl lieber Platz sieben sichern als in den UEFA-Cup zu kommen", und machte damit indirekt schon mal klar, was seine Bedingungen für einen Vereinswechsel sind.
Nun, die einen konnten, die anderen wollten nicht - einigen wir uns mal auf diese Definition für ein Spiel, das mit der Note 4,5 eines der am schlechtesten bewerteten Spiele seit Einführung der Spielbenotung im "Kicker" sein dürfte. Auf Premiere wurden zwei Torschüsse unserer Helden gezählt, wo hingegen das Fachblatt lediglich eine Torchance ausmachte - den Kopfball von Paunovic im ersten Durchgang, und der ging neben das Tor - und die Aktivitäten der 96er nach der Pause wie folgt beschrieb: "In der zweiten Hälfte verzichtete das Team komplett auf ein Angriffsspiel".
Auch Schiri Sippel bekam eine 4,5 verpasst, lag er doch bei zwei Abseitsentscheidungen und beim Elfer falsch, der Unparteiische fiel aber weit weniger negativ auf als andere seiner Kollegen an diesem Spieltag - vielleicht auch deshalb, weil die falschen Abseitspfiffe schön verteilt waren (hier gegen Paunovic, da gegen Iashvili) und der Strafstoß ohne Folgen blieb. Zumindest für 96. Die Fachleute vom "Kicker" jedenfalls verloren sich in ihrer Analyse des Unansehnlichen im Übersinnlichen: "Als es auch vom Elfmeterpunkt nicht klappte, war das torlose Schicksal dieses wenig begeisternden Duells besiegelt".
Freiburgs Bajramovic war da mit seinem Urteil über uns näher dran, als er selbst vielleicht ahnte: "Ich weiß nicht, was die wollen" - ja, das wussten die roten Anhänger eher auch nicht angesichts etwa von Stajners Kurzeinsatz mit einer Stolper- und einer Sturzeinlage - "die brauchen die Punkte anscheinend nicht". Im Vergleich mit dem SC stimmt das natürlich hundertprozentig. Und das, da wird der geneigte Leser mit ROB übereinstimmen, das ist bei unseren derzeitigen Darbietungen auch gut so...
Ode an die momentan einzige Freude
Oh, wahrlich, liebe 96-Freunde, ´s ist an der Zeit, einem unserer elf Apostel das Lob zu schenken, das ihm gebührt. Tuet also Buße, grad´ wie der Schreiber dieser Zeilen, der, bereit, sein Haupt zu senken, konstatiert, dass der mit Bedenken überhäufte zum wahrhaft´gen Enkel des Allergrößten sich entwickelt hat. Denn, wer wollte es verdenken, so hat uns niemand mehr betört seit den Zeiten des seligen Sievers-Jörg. Dabei war´n der Bedenken nicht eben wen´ge, wie der Autor gehört´ von der Verpflichtung des Neuen, aus zu vielen Fragezeichen gewunden ward der Lorbeer seiner Vergangenheit.*
Jedoch: den Enkephalinen** gleich ist die Wirkung auf seine Mitstreiter und Anhänger, seit an der Lein´ er vor En...Anker ging. Er, der zwar kein Denker und Lenker, doch so beherzt im Eingreifen wie zurückhaltend im Aussagen, vornehm vom Kopf bis zu den Schenkeln, als sei er verwandt mit der Namensvett´rin aus dem Land seiner Väter***, der Gräfin von Lichtenau****. Fast immer ohne Fehl und Tadel, wenn er schnürt die Senkel, und wenn doch, dann sich in Einsicht übend, so, wie er dem Gegner dereinst im Mecklenburg´schen wie der Henker tat die Gelenke verrenken, um hernach mit Worten Lind´rung zu verschenken.
Nun hindert´ er den Feind in Gestalt des graumelierten Tsk...Tsk...ungenbrecher-Willi, den entscheidenden Schuss im letzten Gefecht zu versenken, um schließlich von der kühnen Tat abzulenken und sie dem Sievers-Jörg zu schenken*****. Oh, du Held der Roten, so tatkräftig und nett, hast das Zeug zur wahren Nummer eins, keine Frage:
Deine Enkete!******
* Anspielung auf zuletzt glücklose Gastspiele im Ausland (Barcelona und v. a. Istanbul, wo der Protagonist nach einem Spiel bereits wieder verschwand), fragwürdige Gütesiegel (aus der ersten portug. und aus der zweiten span. Liga), sowie auf erst eine Bundesliga-Saison, in der er mit Gladbach 1999 abstieg, dabei in 32 Einsätzen 73 Tore kassierte, nur dreimal zu Null spielte und den fragwürdigen Rekord einstellte, 15 Tore (beim 2:8 zuhause gegen Leverkusen und dem anschließenden 1:7 in WOB) in zwei aufeinander folgenden BL-Spielen kassiert zu haben (dies gelang nach stichprobenartiger Untersuchung lediglich den beiden BVB-Keepern Endrulat - 1977/78 5:3 gegen Bochum und 0:12 in Gladbach - und Rynio - ja, der Maxe, 1971/72 0:4 gegen Stuttgart und 1:11 bei den Bayern) sowie die Auflistung seiner sportlichen Erfolge in Deutschland, die nur auf einen 6. Platz mit Carl Zeiss Jena 1996 in der zweiten Liga verweisen...
**Körpereigene Peptide, die im Gehirn eine morphiumähnliche, die Signalvermittlung der Synapsen hemmende und daher schmerzstillende Wirkung auslösen.
***Offensichtlich eine Anspielung auf die ostdeutsche Herkunft des Protagonisten.
****Gemeint ist Wilhelmine Gräfin von Lichtenau (geb. 1753 in Dessau - gest. 1820 in Berlin), Geliebte Friedrich Wilhelms II von Preußen, eigtl. Wilhelmine Enke.
*****Der hatte laut Aussage des Protagonisten den entscheidenden Hinweis gegeben.
******Gemeint natürlich: Enquête. Im Zivilrecht: Untersuchung mit persönlicher Befragung von Sachverständigen und Zeugen.
Das ist eine absolute Missachtung des Vereins Hannover 96 und von mir als Trainer.
(Ewald Lienen zum 90minütigen Einsatz von Per Mertesacker in der Nationalelf)
Nicht mitwirken konnte Per Mertesacker in Freiburg und wird es auch nicht gegen Bremen tun. Der "Fall" des Jung-Nationalspielers sorgte in den vergangenen 14 Tagen für einiges Durcheinander. Fakt ist: Mertesacker fiel zum ersten Mal nach dreißig Spielen in Folge über die volle Distanz bei Hannover 96 aus. Wurden zunächst noch Achillessehnenprobleme als Grund angegeben, so sickerte nach der Null-Nummer im Breisgau durch, SuPer habe einen Schwächeanfall erlitten und sei deshalb nicht einsatzfähig gewesen. So oder so lag es da nah, den Einsatz im Nationalteam unter der Woche als Ursache des Ganzen zu vermuten.
An dieser Stelle wurde letzte Woche ja noch geunkt wegen der verschiedenen Länderspieleinsätze unserer Spieler, da Mertesacker ja auch schon mit einer Erkältung in das Spiel gegen Borussia Dortmund gegangen war. Da ist Fußball nicht unbedingt die beste Medizin. Der Grippe geschwächte Michael Ballack jedenfalls durfte die Nationalmannschaft frühzeitig wieder verlassen und konnte am vergangenen Wochenende in Bielefeld auflaufen, wenn auch nicht gerade mit durchschlagendem Erfolg.
So lederte unser Trainer Ewald Lienen nach dem Freiburg-Spiel ordentlich - und vor allem öffentlich - gegen Bundestrainer Klinsmann und sein Verhalten. Entgegen des ausdrücklichen Wunsches von Lienen nämlich wurde Per über die volle Distanz gegen Argentinien eingesetzt und holte sich dabei noch einen Schlag auf die Achillessehne ab. Dabei sei ihm gegen Dortmund nach 60 Minuten schon einmal schwarz vor Augen geworden, was er aber erst nach dem Spiel verraten habe, so Lienen.
Kein Wunder also, dass Mertesacker gegen Freiburg nicht fit war. "darüber gibt es keine zwei Meinungen", grantelte der 96-Trainer. Mit dem Resultat, dass sich Klinsmann dieser Tage bei ihm meldete und Abbitte leistete - es sei im Nachhinein sicherlich unglücklich gewesen, aber seine Blutwerte sollen vor dem Länderspiel in Ordnung gewesen sein. Dennoch versprach der Bundestrainer, demnächst mögliche Überlastungen gerade der jungen Spieler zu vermeiden. Ein schwieriges Unterfangen, wenn man sieht, wie etwa die Nationalmannschaft vor Weihnachten noch Überstunden in Südostasien bolzte. Ewald Lienen scheint sich aber zumindest Gehör mit seiner "öffentlichen Abmahnung" verschafft zu haben - immerhin etwas Positives, hat ein Verein wie Hannover 96 doch anscheinend nur eine geringe Lobby und somit wenig Respekt beim DFB.
Merkwürdig aber, dass Mertesacker nun am Donnerstag im "Kicker"-Bericht verlautbaren ließ, er habe lediglich einen "grippalen Infekt", das sei alles. Das ist allerdings auch das einzige Zitat, ansonsten reichlich Interpretation: "Den Trubel, den seine Erkrankung verursacht hat, kann der Shooting-Star nicht nachvollziehen", heißt es da. Und auch nicht schlecht: "Also: Ein Erschöpfungszustand habe nicht vorgelegen, er fühle sich folglich nicht verheizt". Das passt ja wunderbar, wo Ewald Lienen am Montag noch im Interview befürchtete: "So wird der Junge verbrannt".
"Den nun beigelegten Krach seines Klub-Coaches Lienen mit Bundestrainer Klinsmann mag er nicht weiter kommentieren", steht am Donnerstag im Bericht. Entschuldigung, da hätten wir dann schon gerne ein echtes Interview mit Per gelesen - außer der Aussage über den grippalen Infekt und der Bemerkung "die Antibiotika schlagen an" ist in dem Bericht aber kein konkret gekennzeichnetes Zitat von Per Mertesacker auszumachen. Irgendwie stinkt die Geschichte ganz schön, und es würde ROB nicht wundern, wenn Herr Thiemo Müller, der in letzter Zeit wieder verstärkt über 96 im "Kicker" berichtet, da seine Griffel im Spiel hätte.
Gut, das Lienen-Interview vom Montag brauchte keinen Scharfmacher, da hat Ewald ordentlich rausposaunt, lediglich assistiert von Müller ("Warum spielte Mertesacker dann trotzdem durch?"). Donnerstag folgte dann vom selben Herrn der Bericht, der, wie gesagt, wie ein Gespräch zwischen dem Autoren und Mertesacker daher kommt, aber lediglich zwei kurze Sätze als echte Zitate liefert.
Zusätzlich wird über die auch in der Hannoverschen Presse vermeldeten angeblich wachsenden Verstimmungen zwischen Präsident, Manager und Trainer berichtet. So werden Differenzen beim Paunovic-Transfer erwähnt, und selbstverständlich auch die unterschiedlichen Zielsetzungen für den Rest der Saison, mit dem abschließenden Satz garniert: "Harmonie klingt anders". Da hat Herr Müller ja schön die Zündschnur für die nächsten Monate gelegt.
Aber eben auch in HAZ, NP und Bild wurde in letzter Zeit viel über Streitigkeiten berichtet - oder besser verschiedene Einzelaussagen zu einem unschönen Puzzle zusammengefügt. Daher sah sich Ewald Lienen gar genötigt, im Anschluss an eine Pressekonferenz am Mittwoch zu den anwesenden Pressevertretern eine Art öffentliche Erklärung abzugeben. Mit dem Tenor, dass es natürlich verschiedene Meinungen zu bestimmten Themen gebe und gegeben habe, dass aber eben auch Entscheidungen getroffen werden müssten und danach die Meinungsverschiedenheiten nicht mehr von Bedeutung seien. Zumindest Kaenzig bestätigte diese Ansicht Lienens - somit scheint das Ganze doch irgendwie hoch gekocht worden zu sein. Wahrscheinlich lief es diese Saison einfach zu lange zu gut und harmonisch, so dass jetzt, wo es gerade nicht so toll läuft, richtig aufgeholt wird.
Natürlich ist nicht alles Friede, Freude etc. bei Hannover 96. Das war es noch nie. Aber es wird eben auch vieles von draußen herein getragen. Und da die Roten trotz momentaner Schwächephase irgendwie sportlich sorgenfrei sind, muss man sich offensichtlich irgendwas zum Stänkern suchen, weil´s sonst ja langweilig wird. Kleiner Tipp an Müller & Co: nehmt Euch doch auch mal ´n Schwächeanfall - zurück zum Sport...
Auswärts, ja auswärts, da läuft es im Moment recht gut. Vier Spiele in Folge ungeschlagen und dabei nur ein einziges Tor kassiert - auf des Gegners Platz funktioniert es also noch, das rote Bollwerk. Dafür ist die Bilanz in der AfbaN (Arena früher bekannt als Niedersachsenstadion) hundsmiserabel, da wurde nämlich keine der letzten vier Partien gewonnen. Dazu gelang uns auch bloß ein Elfmeter-Tor (von Krupi gegen den BVB) bei sieben Gegentoren - hier funktionierte die Defensive also nicht. Und so haben sich die Statistiken überraschend angenähert: zuhause haben die 96er 17 Punkte erzielt, auswärts 15. Ende Oktober noch wäre eine solche Annäherung undenkbar gewesen, so stark war die Heim-Bilanz.
Nun hatten wir in Hannover mit Stuttgart, Berlin, Leverkusen und Dortmund nicht gerade einfache Gegner. So passt es dann auch ins Bild, dass am Samstag kein Geringerer als der Deutsche Meister im WM-Stadion 2006 Hannover gastiert. Die Mannschaft also, die mit Abstand die meisten Tore erzielt hat in dieser Saison, und die bei ihren zwei vorhergehenden Auftritten an der Leine insgesamt neun Tore erzielt hat.
Was spricht also für die Roten!? Nun, nicht sonderlich viel, und so muss man sich wieder mal daran klammern, dass vielleicht gerade das unsere Chance ist. Man kann schließlich nicht zum Fußball-Gott gehen und sagen: "Ey, hör ma´, ich kenn´ da Leute, die fahren alle 14 Tage 600 Kilometer, um sich ein Heimspiel von 96 anzugucken, und die hatten die letzten Male ´ne verdammt schlechte Zeit - findste nich´, dass es ma´ wieder Zeit wär´, denen zu drei Punkte zu verhelfen?" Gut, im "Café King" könnte man´s natürlich probieren, aber nee, nee, Leute: dit is ROB jrade echt zu heiß und auf Dauer jeht dit sowieso nee jut...
Was spricht gegen Werder? Höchstens, dass deren Abwehr auch ganz schön löcherig ist bisher - aber was nutzt das, wenn man wie 96 in vier Spielen in der Rückrunde gerade zwei Tore fabriziert (darunter der bereits erwähnte Elfer)? Und fällt Klasnic aus, holt Bremen einfach den 18jährigen Hunt aus dem Zylinder oder bringt den Neuen Zidan, die auch gleich ihre Treffsicherheit unter Beweis stellen. Hmmhmmhmm - da müssen wir wohl auf andere Mächte hoffen.
Die "Kicker"-Personalien machen jedenfalls etwas Mut: "Grippewelle: Nach Miroslav Klose (26) liegt auch Frank Fahrenhorst (27) flach. Fabian Ernst (25) ist stark erkältet". Und wenn Micoud (trainiert wieder nach Beckenproblemen) und Baumann ("Fußprobleme") auch nicht rechtzeitig fit werden, dann könnte es sogar was werden mit dem ersten Heimsieg im neuen Stadion und gegen Werder seit 1972, als Hans Siemensmeyer drei Tore zum 5:1...torreich wird´s irgendwie immer gegen die Fischköpfe - wenigstens etwas!
Am spannendsten aber dürfte die Frage sein, mit welcher Taktik 96 gegen die Grün-Weißen aufläuft. Vierer- oder Dreierkette? Drei Defensive vor der Abwehr, oder doch mit drei Offensiven? Keine Frage: läuft 96 wieder ins offene Messer, wird die Kritik erneut laut werden. Mauern wir aber zuhause, wollen das die "Leute", sprich die, die gerne negative Stimmung verbreiten, auch nicht sehen. Klingt nach Quadratur des Kreises? Mission impossible? Abwarten: Lienen hat schließlich schon bewiesen, dass er unter Druck gute Lösungen zu präsentieren im Stande ist. Also: Ewald, übernehmen Sie!
Rote Grüße
ROB