ROBs Gedanken

76. Ausgabe
19. / 20. Spieltag 2005

Na also, geht doch!

Jetzt können wir genau so eine Serie starten wie im ersten Halbjahr!
(Nebojsa Krupnikovic nach dem 1:0-Sieg in Bielefeld)

Tja, das war kein Leckerbissen auf der Alm, aber ein Spiel, wie es uns eben doch liegt. 11:2 Ecken verzeichnete die Statistik des "Kicker" für die Hausherren, aber 1:3 Torchancen gegen sie. Arminia war einfach zu harmlos nach vorne, und dass auch, weil unsere Defensive wieder funktionierte. In der Viererkette zeigten Zuraw, Mertesacker und Cherundolo alte Qualitäten, sicherlich auch begünstigt durch Lienens taktische Umstellung mit drei defensiven Mittelfeldspielern vor der Abwehr. SuPer handelte sich zwar die erste Gelbe Karte seiner Bundesliga-Karriere ein, nahm den Verlust des Images als "absoluter Saubermann" ("Kicker") nicht allzu tragisch: "Dafür bin ich jetzt aber endlich ein echter Verteidiger, oder?". Fürwahr, das taktische Foul gegen Fatmir Vata war absolut notwendig, Verwarnung hin oder her, und so ist die Karte sogar als weiterer Fortschritt im beinahe unheimlichen Reifeprozess des Per M. zu verstehen.

Der Vierte in der Kette, der 18jährige Sören Halfar, lieferte ein ordentliches Bundesligadebüt ab. Die Bielefelder Kontrahenten auf seiner Seite, Owomoyela und Pinto, konnten sich gegen unser neuestes Eigengewächs jedenfalls nicht entscheidend in Szene setzen. Gut, wie letztens erwähnt, dass unser Trainer ihn nicht gegen Leverkusen ins eiskalte Wasser geschmissen hat - sich mit Freier und Schneider zu beschäftigen, wäre doch eine verdammt schwere Aufgabe gewesen. Doch warten nun gegen den BVB mit Evanilson und Ebi Smolarek auch zwei nicht zu verachtende Kaliber auf Halfars Seite. Denn spielen wird er wohl wieder am Samstag, einerseits weil Tanne immer noch fehlt und kein anderer "richtiger Linker" zur Verfügung steht, andererseits weil seine Leistung eine weitere Bewährungschance absolut rechtfertigt.

Ewald, Herr des Dschungels

Lala, Dabrowski und de Guzman haben das sehr gut gemacht.
(Ewald Lienen nach dem 1:0-Sieg in Bielefeld)

Mit drei Mittelfeldspielern vor der Abwehr aufzulaufen, das ist ja eher Lienens Taktik, wenn es gegen Kaliber wie Bayern oder Bremen ("...lass´ die ander´n alle reden...") geht. Und gegen Bayer 04 hätte es 96 im Nachhinein wohl auch ganz gut zu Gesicht gestanden, den Mannschaftsbus, wie der Spanier gerne formuliert, vor dem eigenen Tor zu parken. Dies holte Ewald nun in der "Schüco-Arena" nach: um auch dem letzten klar zu machen, dass er gegen die bekannt konterstarken "Ostwestfalen..." auf deren Platz nicht ins offene Messer zu laufen gedenkt, ließ er mit de Guzman, Lala und Dabrowski also gleich drei Staubsauger auflaufen. Resultat: nur wenig Aufregung bei den Roten in der Defensive. Oder um es mit unserem Trainer zu sagen: "In diesem Dschungel hat der Gegner sehr viele Bälle verloren". Allerdings bot die Partie auch durch diese taktische Maßnahme wenig Begeisterndes. Aber das liegt uns eben mittlerweile, gerade auswärts macht sich diese "vornehme Zurückhaltung" auch in der Statistik bezahlt: die letzten drei Spiele in der Fremde blieb Hannover 96 ungeschlagen und hat seit 189 Minuten auswärts kein Gegentor mehr bekommen - fast schade, dass wir gegen Dortmund zuhause antreten...

Nach vorne wechselte in Bielefeld bei Krupi und Stajni Licht und Schatten, während der gegen Leverkusen noch gescholtene Daniel Stendel zum "man of the match" avancierte. Unter der Woche noch hatte er in ungewohnt offener Form kritisiert, es habe sich zuviel Selbstzufriedenheit in Hannover breit gemacht, dann setzte er bei den Arminen den Maßstab in punkto Einstellung und Einsatzbereitschaft. Nicht nur, dass er 88 Minuten den Platz förmlich beackerte, obwohl er dabei öfters schmerzhaft gebremst wurde, er erzielte auch nach schöner Vorarbeit Stajners auf sehenswerte Art und Weise den goldenen Treffer des Tages. Die zwei Bielefelder vor dem Torschuss noch zu vernaschen, war die Variante, die am ehesten Erfolg versprach. Dies aber auch in die Tat umzusetzen und den gegnerischen Torwart, den ehemaligen Ostniedersachsen Hain, dann noch im kurzen Eck zu düpieren, das zeigt Stendels anderes Gesicht, nämlich das eines Klasse-Stürmers. Jawohl.

Streit im Sturm?

Leidtragender dieser Entwicklung wird wohl Thomas Christiansen sein, sollte Ewald Lienen in den nächsten Wochen weiter diese Taktik fahren. Außerdem wurde mit Veljko Paunovic kurz vor Transferschluss ein ähnlicher Spieler-Typ geholt, nämlich ein Mann mit Stürmer-Qualität, der sich aber gerne die Bälle aus dem Mittelfeld holt und auch mal verteilt. Auch für den Neuzugang dürfte es jedoch schwierig werden, obwohl Lienen ihn aus seiner Zeit in Spanien kennt und schätzt, denn Ewald qualifiziert schon Christiansen nicht als Konterstürmer. Sollte sich diese Taktik in den nächsten Wochen aber als diejenige welche erweisen, werden es beide schwer haben. Leandro und Wallner dürften dann kaum noch Chancen auf einen Einsatz haben.

Doch während Christiansen, der ja schon mal mit dem Trainer in vergleichbarer Situation kräftig aneinander geraten ist, sich einsichtig gibt ("...eine erfolgreiche Mannschaft muss weiter spielen. Nur das zählt, auch für mich."), stehen bei Leandro schon mehr Schwierigkeiten ins Haus, hat der Brasilianer doch offenkundig Probleme, den herbei gesehnten, aber geplatzten Wechsel zurück in die Schweiz seiner in Hannover nicht glücklichen Ehefrau zu verkaufen. Und das, wo wir gerade erst mit Mo einen Spieler mit "Dauer-Ehekrise" leihweise nach Frankreich losgeworden sind.

Durch diesen Abgang könnte sich wiederum Roman Wallner, bis dato Idrissous Kronprinz als enfant terrible bei den Roten, bemüßigt fühlen, diesen Part nun als Hauptrolle vollends zu übernehmen - viel versprechende Ansätze hat er ja bereits gezeigt. Wenn dann die verletzten Schröter und Barnetta, beide ja klassische Außen, sich wieder gesund zurück melden, sollte Ewald Lienen dann vielleicht doch wenigstens ab und an wieder mit drei Spitzen - also einem klassischen Mittelstürmer und zwei Flügelspielern - agieren, sonst wird Ärger unvermeidlich sein.

Andererseits freut sich nun gerade Stajni an "mehr Freiheiten" im 4-4-2-System - wahrscheinlich, weil er sich mal ein Päuschen mehr gönnen kann. Fakt ist aber, wenn es auch paradox klingt, dass der Tscheche im 4-3-3 eher draußen bleiben muss, als wenn die Roten im "Bielefelder System" auflaufen - ein guter Grund, beim 4-4-2 zu bleiben, denn Stajnis trauriger Blick auf der Reservebank ist dann doch schwerer zu ertragen als die Wut darüber, wenn er auf dem Platz mal wieder per Hacke ins Niemandsland spielt...

Westfalen-Woche

Schwerer Turn-around-Fall, kein Konzept, kein geeignetes Management, zu starke Aktionärsunruhe, Lizenz gefährdet.
(aus dem Strategiepapier eines potentiellen Großinvestors beim BVB, der Berliner Beteiligungsgesellschaft Spütz AG, laut "Der Spiegel" Nr.5/05)

So unzweideutig schlecht die wirtschaftlichen Zahlen bei Borussia Dortmund zur Zeit auch sein mögen, rein sportlich ist der Verein eher schwer berechenbar. Immerhin haben sie mit einem Sieg und einem Remis nach der Winterpause die rasante Talfahrt aufhalten können, doch kann der BVB deshalb schon wieder den Blick auf den vorderen Teil des Tableaus richten? Schwer zu sagen, beim 1:1 gegen Gladbach letzten Samstag wurde jedenfalls nur graues Mittelmaß geboten.

Das Lazarett der Dortmunder hat sich zwar gelichtet, beherbergt aber immer noch wichtige Spieler wie Ewerthon und auch Gambino, Metzelder und Rosicky sind weiterhin Wackel-Kandidaten und die Kreuzbandpatienten Evanilson und Addo haben gerade erst ihr Comeback gegeben. Stattdessen setzt BVB-Trainer Bert van Marwijk auf eine Mischung von ganz jungen und bereits ausgemusterten Leuten.

Torwart Roman Weidenfeller etwa war noch von Matthias Sammer als neue Nr.1 während der vergangenen Saison auf die Bank degradiert worden und schmorte lange hinter Guillaume Warmuz im zweiten Glied. Nun hat der junge Keeper den Franzosen wieder zwischen den Pfosten verdrängt und rangiert in der "Kicker"-Rangliste der Torhüter als Notenbester der Liga auf Platz eins - vor Robert Enke. Dies dürfte aber auch der Tatsache geschuldet sein, dass er eben nicht alle Saisonspiele absolviert hat - merke: weniger Spiele, weniger Fehler.

In der Abwehr ist der umstrittene Norweger Bergdölmo, eigentlich auch schon längst abgeschrieben, derzeit in der Zentrale beschäftigt, allerdings mit dem Wissen im Hinterkopf, dass sein Vertrag im Sommer nicht verlängert werden wird. Dede hingegen hat gerade bis 2007 verlängert. Und im Sturm bekommt gerade das ewigste aller Talente, Lars Ricken, seine dreizehnte Gelegenheit, die letzte Chance beim Schopfe zu packen. Zuverlässig, aber weiterhin ohne den großen Durchbruch präsentiert sich der Ex-96er Sebastian Kehl im Mittelfeld.

Ihm zur Seite standen dort zuletzt junge Spieler wie Kruska und Kringe, und auch Brzenska gehört zu denen, die sich noch keinen großen Namen gemacht haben, aber etwas Perspektive für die düstere Zukunft bringen sollen. Freilich, nach großer Fußball-Schule hört sich das nicht mehr an. Einzig auf Sturmriese Jan Koller scheint auf Dauer Verlass zu sein - immerhin acht Treffer und zwei Assists brachte er diese Spielzeit zu Wege. Das "Vier-Meter-Duell" zwischen ihm und Per Mertesacker dürfte am Samstag wieder Sehenswertes produzieren.

Trotz Kollers guten Zahlen ist die Borussia aber lausig im Abschluss - 19,6 % Chancenverwertung reichen nur für den drittletzten Rang im Vergleich. Lediglich die Kellerkinder aus Freiburg und Rostock sind im Ausnutzen ihrer Gelegenheiten noch schlechter. Auch die eventuelle Rückkehr Rosickys sorgt da für wenig Schrecken, haben die letzten Vorstellungen des gerne als "Mozart" titulierten Tschechen doch eher etwas von einem Requiem gehabt.

Die Zeiten, wo die Borussia für Hannover 96 einfach nicht zu knacken war, sind jedenfalls vorbei. Mit einer konzentrierten Leistung wie in Bielefeld ist auch gegen die Schwarz-Gelben wieder ein Dreier drin, ohne dass wir den Gegner dabei unterschätzen wollen.

Schluss mit der Schiri-Warnung - schade!

http://www.cafe-king.de/default.htm

Auf die an dieser Stelle immer wieder gerne angebrachte Schiedsrichter-Warnung muss in Zukunft aus bekannten Gründen verzichtet werden - der DFB hat ja schon letzte Woche die neue Leitlinie umgesetzt, dass die Referees erst zwei Tage vor dem Spieltag benannt werden. Statt des angekündigten Wolfgang Stark lief denn auch Dr. Felix Brych in Bielefeld auf. Wer pfeift also das Match der Roten gegen den BVB? Tja, keine Ahnung, aber ein Schiri aus Berlin wird´s wohl nicht werden, da sie wahrscheinlich noch "zum eigenen Schutz" aus dem Rennen genommen sein werden.

Und da die Unparteiischen aus der Hauptstadt immer wieder gerne unter Beweis stellen, dass sie auch ohne eigenen Wett-Einsatz wunderbare Fehlentscheidungen zu treffen im Stande sind, also einfach so, soll hier mit einem der berühmtesten Zitate im Zusammenhang mit Berlin geschlossen werden:

"Ich bin ein Berli...", ach nee, das sollte doch heißen: "Und das ist auch gut so!"

Rote Grüße

ROB

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