Ich habe die Basics, die Grundlagen unseres Spiels nicht gesehen.
( Ewald Lienen nach dem Spiel Hannover 96 - Bayer 04 Leverkusen)
Peng, das hat gesessen! Nun gab es nicht nur schlechtes Wetter zur Eröffnung des "Fifa WM-Stadions 2006 Hannover" - also wie bei der Inauguration seines Vorgängers, dem altehrwürdigen Niedersachsenstadion (vgl. letzte Woche) - sondern auch noch eine ordentliche Peitsche für die Roten. . Obendrein saß ja auch wieder der Kanzler auf der Tribüne, dessen Anwesenheit im Stadion selten Gutes verheißt. Auf die Fans - und wohl auch auf die Spieler - wirkt Schröder wahrscheinlich so, als hätten sie am Spieltag eine schwarze Katze von rechts nach links über die Straße laufen sehen.
Es erging uns also wie vielen Clubs, die in letzter Zeit ihre "Arenen" eröffneten. Hoffen wir nur, dass daraus nicht gleich ein Komplex wird wie weiland bei Schalke 04. Leverkusen präsentierte sich allerdings auch kompakt, bissig und mit Spielwitz wie in der ganzen bisherigen Saison auf des Gegners Platz nicht.
In der Aufstiegssaison 2002/03 war 96 noch 80 Minuten die klar bessere Mannschaft, um in der Schlussphase die 1:0-Führung komplett zu verspielen - und das im offiziell letzten Spiel im Niedersachsenstadion (schon wieder vgl. letzte Woche). Vergangene Saison war 96 gegen Leverkusen noch 60 Minuten die klar bessere Mannschaft, um dann in der letzten halben Stunde den 2:0-Vorsprung zu verspielen. Am Ende durfte man wenigstens über einen Punkt froh sein.
Diesmal gelang es uns nicht einmal, einen Vorsprung herauszuspielen. Der wäre bitter nötig gewesen und auch möglich - doch die Überlegenheit der ersten halben Stunde und die daraus resultierenden Torgelegenheiten blieben ungenutzt. Hätten wir auch nur einen Spieler an diesem Sonntag in den Reihen gehabt, der etwa so in Form gewesen wäre wie Clint Mathis beim letzten Aufeinandertreffen beider Teams an der Leine, dann, ja, dann hätten wir getroffen. Doch der Cowboy ist längst über alle Berge und war zuletzt ja auch keine Verstärkung mehr.
Daniel Stendel, unser augenblicklicher Top-Torjäger, verdeutlichte das momentane Manko: vorne klemmt´s einfach. Er zeigte alte Qualitäten, und zwar im besten Magathschen Sinn, obwohl´s der Felix damals ja nicht auf diese Weise gemeint hatte: dass Qualität nämlich von Quälen komme, doch Stendel quälte wahrlich die roten Anhänger nicht nur mit einer glücklosen Vorstellung wie zu alten Zeiten, er ließ früh auch noch die beste Chance zur Führung kläglich aus. Aber wer hatte glauben können, dass er weiter wie am Schnürchen trifft?
Auch Jiri Stajner war bemüht, ließ aber ebenso eine dicke Gelegenheit aus, während "T0Rero" Christiansen in seiner Aufgabe als hängende Spitze von Mal zu Mal mehr aufgeht, sodass er mehr und mehr hängt, denn auch mal spitz zu sein. Jedenfalls rechnet man bei ihm schon gar nicht mehr mit einem Treffer. So.
Und wer springt dann ein? Hm. Eben. Dass Altin über den ganzen Platz ackert und dann noch fast immer der einzige ist, der an der Stelle ist, wo die gegnerische Abwehr gerne den Ball unkontrolliert aus dem eigenen Sechzehner hin befördert - dass also ausgerechnet Lala da stehen muss und nicht ein etwas schusssicherer Mann, ist da nur ein weiteres bezeichnendes Rätsel. Deswegen möchte Ewald Lienen wohl auch Herrn Paunovic aus Madrid nach Hannover lotsen, wissend, dass diese Decke über den ganzen Winter zu dünn sein dürfte. Auf jeden Fall haben wir in den letzten drei Heimspielen keine Bude mehr gemacht, in den vergangenen sechs Partien überhaupt auch nur drei - davon gleich zwei beim Hamburger SV.
Natürlich funktioniert unser System aber auch nur, wenn wir in der Defensive den Laden dicht halten, wovon überhaupt nicht die Rede sein konnte. Julian de Guzman wurde auf der ungewohnten linken Abwehrseite von Paul "Alfred E. Neumann" Freier so regelmäßig vorgeführt, dass man nur hoffen kann, es habe wirklich nur an der ungewohnten Position - immerhin hatte er ja schon ab und an dort aushelfen müssen in den letzten zwei Jahren - gelegen und nicht etwa an der Tatsache, dass er nach seiner Entscheidung, Hannover im Sommer endgültig zu verlassen, so befreit im Kopf ist, dass er auf einmal vergessen hat, wie man sich auf dem Platz verhält. Auch Cherundolo hat im ersten Auftritt nach seiner Vertragsverlängerung weit neben seiner Leistung der Hinrunde gelegen. Auch die Abwehrpartner Zuraw und Mertesacker waren für einige Unsicherheiten gut.
Nimmt man dagegen etwa Krupis Leistung als Maßstab, dann scheint sich eine unsichere Zukunft - er hat sich ja beim Pokern verzockt und hängt im Augenblick noch in der Luft - durchaus nicht negativ auf das Auftreten auszuwirken. Aber jeder tickt da anders...
Auf jeden Fall macht sich im Moment auch negativ bemerkbar, dass sich die Verletztenliste zum Rückrundenstart vergrößert und dadurch offenbar wurde, dass der Kader an manchen Stellen dünn besetzt ist. Schröters Ausfall auf der Außenbahn etwa ist schwer zu kompensieren, deutlicher noch wird das Manko auf der linken Seite der Viererkette, wo nach Tarnats Knie-OP ein regelrechtes Vakuum herrscht. De Guzman - wie bereits erwähnt - scheiterte grandios und wird in Zukunft gottlob wieder auf seiner Stammposition im Mittelfeld eingesetzt. Die nahe liegenden, aber nicht unbedingt zur Beruhigung beitragenden Lösungen hießen zunächst Stefulj oder Schneider.
Davon war Ewald Lienen wohl ebenfalls nicht recht überzeugt, und so erinnerte er sich an den A-Jugendlichen Sören Halfar, der zum Schnuppern mit im Trainingslager in Spanien weilte und dort einen guten Eindruck hinterließ. Gut, dass er gegen Leverkusen nicht verheizt wurde, aber in Bielefeld dürfte nun seine Stunde geschlagen haben - Bundesligadebüt mit achtzehn Jahren!
Nun, die Fans dürften ihm zu Füßen liegen, dem Eigengewächs, auch wenn er mal Mist macht - möglicherweise aber wächst da nach Mertesacker der nächste Spieler aus dem 96-Nachwuchs in die Profi-Mannschaft, etwas, was jeden Anhänger einer Fußballelf immer mit besonderer Freude erfüllt. ROB und WEB, der dieser Homepage und speziell auch diesen Zeilen immer zum richtigen Auftritt verhilft, scherzten noch nach dem Gastspiel der A-Jugend bei Tasmania Berlin Mitte Dezember, ob wir das Laufwunder auf der linken Seite nicht unter Vertrag nehmen sollten - von wegen als Berater und so. Doof von uns, weil er wahrscheinlich längst einen hatte. Und wenn nicht, dann ist es noch doofer von uns, weil wahrscheinlich jetzt endgültig zu spät.
Sören Halfar müssen in jedem Fall am Samstag alle Kollegen den Rücken frei halten, sie müssen für ihn durchs Feuer gehen - das bedeutet vor allem konzentriertere Arbeit der Mitspieler in der Viererkette als gegen Bayer. Cherundolo, Zuraw und selbst der junge Mertesacker sind daher speziell gefordert. Parole: helft Halfar!
Wenn man eine Dummheit begeht, dann sollte sie gelingen.
(Napoleon)
Endlich also ist unser Stadion fertig und die im Fernsehen etwas amateurhaft wirkende Eröffnungszeremonie ist ebenso vorüber wie das Premieren-Spiel, das nicht ganz überraschend mit einer Niederlage endete, da gibt´s aber auch schon die ersten Probleme mit dem "FIFA WM-Stadion 2006 Hannover". Die "Bild" berichtete, dass Ex-Bayer-Manager Reiner Calmund sich nach dem Spiel, das er von der VIP-Tribüne verfolgte, "wunderte: Nach dem Spiel musste (sic!) ich meine Hose auswringen". Nicht, dass sich "Big Boss" in die Hose gemacht hätte, dafür gab es angesichts des Spielverlaufs zu Gunsten seiner Pillendreher keinen Anlass.
Nein - "Bild" deckte auf, dass trotz kompletter Überdachung alle im Stadion nass wurden - selbst auf den teuersten Plätzen! "Auch andere Super-VIPs wurden nass. Und das für einen Superpreis...52 000 - 70 000 Euro kostet die Jahres-Miete für eine VIP-Loge. Darin enthalten: Service, Essen, alkoholfreie Getränke. Und eine Dusche...".
Hmhmhm. Das ist ja schon irgendwie komisch, was Namensgeber AWD in Person von Chef Carsten Maschmeyer ("Hier gibt´s Optimierungsbedarf. Ich bin sicher, dass (sic!) den Verantwortlichen eine Lösung einfällt") nicht ganz so sah. Höhöhö - doch "Bild" hat noch einen in der Hinterhand: Karl-Heinz Vehling, den Geschäftsführer der Stadion-Gesellschaft. Der hatte von Anfang an offenbar etwas mehr als die anderen gewusst: "Ein struktureller Nachteil dieses Daches". Das Boulevard-Blatt erklärt den Wassereinbruch auf der VIP-Tribüne indes etwas konkreter: "Grund: der ständige Westwind und die Steilheit der Tribüne. Dazu die Höhe des Daches".
Vehling beantwortet die Erwartungen der Maschmeyers im Hummer-Block allerdings mit den dürren Worten : "Das Problem lässt sich nicht lösen". Uahahaha - wir empfehlen, Regenschirm oder Südwester immer dabei zu haben! Und jetzt alle: "We´re singin´ in the rain, just singin´ in the rain"...
Jetzt schon wieder den Abstand auf die Abstiegsplätze zu zählen ist dann doch etwas hysterisch. Bayer machte aus seinen ersten beiden Chancen zwei Tore und konnte dann das Blatt schön von oben runter spielen. Wie weit dieses Spiel also Negatives für die Zukunft verspricht, kann man wohl erst dann sagen, wenn wir in Bielefeld auch alt aussehen.
Dass wir auf Dauer im oberen Tabellendrittel nicht mitmischen können, dürfte nun jedem roten Fan klar sein. Vergleicht man einmal die Punktausbeute von 96 aus den Spielen gegen jene Teams, die nach dem 18. Spieltag vor uns stehen mit der gegen die Vereine, die hinter uns in der Tabelle rangieren, spricht das Ergebnis eine deutliche Sprache: aus den acht Spielen gegen die Mannschaften auf den Plätzen eins bis sieben (Rückspiel gegen Bayer schon mitgerechnet) haben wir 7 von insgesamt 24 möglichen Zählern geholt (0,9 Punkte pro Spiel), aus den restlichen Partien 21 von möglichen 30 (2,1 pro Spiel).
Wichtig ist also, dass wir unsere Partien gegen die Mannschaften hinter uns weiter positiv gestalten - auch darum ist der Auftritt in Bielefeld von besonderer Bedeutung, liegen die Ostwestfalen ja nur vier Punkte hinter uns - und sind der einzige Club ab Platz acht, der uns im Verlauf dieser Saison schlagen konnte. Kehren wir also den Spieß um - diesmal müsst Ihr das Spiel machen, und das schmeckt Euch nicht!
Torreich wird´s am Samstag wohl aber nicht: beide Teams sind seit über 200 Minuten ohne eigenen Treffer. So lange aber bei uns hinten die Null steht, dürfte Ewald Lienen bei seinem 200. Bundesliga-Einsatz als Trainer schon zufrieden sein, vermisste er doch zuletzt bei den Seinen "die totale Kompaktheit und dass wir in der Kampfzone die Bälle erobern". Um gleich anzufügen: "Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen müssen kleiner werden". Lienens Verkleinerung der Abstände und die von ROB geforderte Ausweitung der Kampfzone? Das muss kein Widerspruch sein!
Steht nur zu befürchten, dass schlechte Witterung - mittlerweile kommt der erste Schnee ja zu 90 % nach Ablauf der Winterpause - die Austragung des Spiels in der Bielefelder "SCHÜCO-Arena" (ja, auch die haben ihre Arena) eventuell unmöglich macht. In dem Fall könnte man sich zumindest noch zur Schneeballschlacht auf der ehemaligen "Alm" treffen, wo die Arminia erst zweimal gegen die Roten in der Bundesliga siegreich war - vor über dreißig Jahren. Also: einseifen ist angesagt!
Rote Grüße
ROB
P. S.: Skandal-Schiri Robert Hoyzer aus Berlin (B.Z.: "Du falsche Pfeife!") sollte ja eigentlich so genannter Vierter Mann am letzten Sonntag bei unserem Spiel sein. Bisher hatte er ja noch kein Spiel von 96 geleitet, aber möglicherweise war ja schon eine Wette auf die Roten platziert. Das hätte man aber spätestens dann gemerkt, wenn er in der 90.Minute die Tafel mit der leuchtenden "3" in der Anzeige für die Nachspielzeit hochgehalten hätte, um den Schiri, der 180 Sekunden später im Begriff gewesen wäre abzupfeifen, darauf hinzuweisen, dass das Gerät ja lediglich zweistellig funktioniere, er aber drei Stunden gemeint habe - hätt´ aber auch nix genutzt, wir hätten noch drei Wochen...